In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
GESAMMELTES untersucht, wie sich das Sammeln als kulturelle Praxis in einer digital vernetzten Gegenwart verschiebt. Die Arbeit fragt, welche Bedeutung Erinnerung, Gestaltung und Selbstbild in diesem Wandel behalten und wie sich persönliche digitale Sammlungen zurück in eine materielle Form übersetzen lassen, um sichtbar zu machen, was uns als Individuum zusammensetzt.
Diese Bachelorarbeit untersucht das Sammeln als kulturelle, persönliche und gestalterische Praxis an der Schnittstelle von analoger Tradition und digitaler Gegenwart. Im Zentrum steht die Frage, wie Sammlungen entstehen, welche Bedeutungen sie tragen und wie sie als individuelle Ordnungssysteme Identität, Erinnerung und Zugehörigkeit konstruieren. Sammeln wird dabei nicht als bloßes Anhäufen verstanden, sondern als Methode, die Welt zu strukturieren, Bedeutung herzustellen und persönliche Spuren sichtbar zu machen.
Der theoretische Teil betrachtet zunächst die begrifflichen und historischen Grundlagen: Wann wird aus einer bloßen Ansammlung eine intentionale Sammlung? Welche Rolle spielen Auswahl, Kuration und Archivierung? Welche Motivation steckt hinter der Tätigkeit des Sammelns? Ausgehend von analogen Praktiken führt die Untersuchung zu gegenwärtigen digitalen Formen des Speicherns, Likens und Favorisierens. Plattformen wie Instagram, Pinterest, Spotify oder Google Maps werden als neue Sammelräume analysiert, in denen beiläufige Interaktionen – wie Screenshots, Pins oder gespeicherte Orte – Rückschlüsse auf persönliche Interessen und Selbstbilder ermöglichen.
Im praktischen Teil wird diese Fragestellung gestalterisch übersetzt. Digitale Sammlungsfragmente einzelner Personen werden extrahiert, neu geordnet und in eine analoge Form überführt. Aus gespeicherten Objekten, Orten und Bildern entstehen visuelle Porträts, die die sammelnde Person nicht direkt abbilden, sondern ihre Identität über das kuratierte Material lesbar machen. Die Gestaltung fungiert hierbei als vermittelndes Werkzeug, das flüchtige digitale Spuren rekonstruiert und in eine materielle Form übersetzt.
Ziel der Arbeit ist es, sichtbar zu machen, wie stark sich Identität heute über markierte und kuratierte Inhalte im digitalen Raum bildet. Die Sammlung wird so zu einem Medium zwischen Erinnerung, Selbstbeschreibung und gestalterischer Praxis.
This bachelor’s thesis examines collecting as a cultural, personal, and creative practice at the intersection of analog tradition and the digital present. It focuses on how collections come into being, what meanings they convey, and how they construct identity, memory, and a sense of belonging as individual systems of organization. Collecting is not understood here as mere accumulation, but as a method for structuring the world, creating meaning, and making personal traces visible.
The theoretical section first examines the conceptual and historical foundations: When does a mere collection become an intentional one? What role do selection, curation, and archiving play? What motivation lies behind the act of collecting? Starting from analog practices, the investigation leads to contemporary digital forms of saving, liking, and favoriting. Platforms such as Instagram, Pinterest, Spotify, or Google Maps are analyzed as new spaces for collecting, in which casual interactions—such as screenshots, pins, or saved locations—allow conclusions to be drawn about personal interests and self-images.
In the practical component, this question is translated into a design concept. Digital fragments from individual people’s collections are extracted, reorganized, and transformed into an analog form. From stored objects, places, and images, visual portraits emerge that do not directly depict the collector but rather make their identity legible through the curated material. Here, design functions as a mediating tool that reconstructs fleeting digital traces and translates them into a material form.
The aim of the work is to reveal the extent to which identity today is shaped by curated content in the digital space. The collection thus becomes a medium that bridges memory, self-description, and design practice.
Der Theoriearbeit liegt eine Stickerpackung bei. Im Buch sind die Stellen markiert, an denen die jeweiligen Bilder eingeklebt werden sollen. Die Bilder untermalen die Theorie und übertragen das Prinzip des Sammelns. Das Lesen wird durch das Einkleben erweitert. So entsteht der Eindruck eines Sammelalbums, in dem Inhalte nicht nur betrachtet, sondern aktiv ergänzt und vervollständigt werden.
Im praktischen Teil habe ich untersucht, wie sich persönliche digitale Sammlungen zurück in eine materielle Form übersetzen lassen, um sichtbar zu machen, was uns als Individuen zusammensetzt.
Ausgangspunkt ist die Annahme, dass alles, was wir speichern, liken oder favorisieren, eine Form von Nähe erhält und etwas über Interessen, Gewohnheiten und ästhetische Vorlieben erzählt. Gespeicherte Orte, Kleidungsstücke, Musik, Inspirationen und Screenshots werden aus ihrem digitalen Kontext gelöst und in eine analoge Publikation überführt. Die einzelnen Sammelobjekte der verschiedenen Plattformen besitzen jeweils eine eigene Leserichtung und erscheinen konsequent von derselben Seite. Treten mehrere Objekte einer Plattform auf, folgen sie stets der gleichen gestalterischen Systematik. Die Bildebene ist dabei klar von der Textebene getrennt. Dadurch entsteht kein linearer Lesefluss, sondern ein momenthaftes Abbild der Person, das sich erst durch das Drehen des Heftes und den Wechsel der Perspektiven zusammensetzt. Hervorgehobene Inhalte markieren jene Momente, in denen digitale Sammlungen in den analogen Alltag übergehen – etwa wenn Orte tatsächlich besucht oder Objekte gekauft werden. So zeigt die Arbeit kein vollständiges Abbild einer Person, sondern ein spekulatives Porträt: Nicht die Person präsentiert ihre Sammlung, sondern die Sammlung präsentiert die Person.
Es sind am Ende 3 Porträts entstanden.
Die Hefte werden von einem Umschlag gefasst, dessen Form an eine Tasche erinnert. Diese Gestaltung greift den Gedanken der Theoriearbeit und den Titel Am Anfang steht das Gefäß auf. Jede Sammlung benötigt ein Gefäß, in dem ihre einzelnen Bestandteile aufgenommen, geordnet und bewahrt werden können. Für die Innenseiten habe ich ein leicht durchscheinendes Papier mit einer Grammatur von 60 g/m² verwendet. Die Transparenz erinnert an die überlagerte Wahrnehmung digitaler Oberflächen. Beim Scrollen wird selten nur ein einzelner Beitrag isoliert betrachtet; meist sind bereits Ausschnitte der vorherigen oder folgenden Inhalte sichtbar. Ähnlich lassen sich auch im Heft die Objekte der nächsten Seiten schon erahnen.
Als Ergänzung zu den systematischen Sammlungsheften gestaltete ich noch jeweils ein Poster pro Person. Sie zeigen alle Objekte gemerged und durch Überlagerung vereint.
Die Poster sind auf Stoff gedruckt, um den digitalen Inhalten eine neue Materialität und Wertigkeit zu verleihen. Der Übergang vom Digitalen ins Analoge wird dabei bewusst fortgeführt und durch das textile Material zusätzlich verstärkt. Inhalte, die ursprünglich nur auf Bildschirmen existieren und dort schnell gespeichert, weitergescrollt oder vergessen werden, verwandeln sich in ein physisches Objekt. Die Sammelhandlungen werden dadurch haptisch erfahrbar: Das Porträt kann berührt, bewegt und gefaltet werden. Aus beiläufig entstandenen Saves, Likes und Pins wird so eine dauerhafte, körperlich präsente Form der Sammlung.
Jedes Porträt besteht demnach aus einem Heft und dem zugehörigen Poster.
1 Kommentare
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