In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
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Slantwise – Feministisches und queeres Type Design Zwischen Form und Haltung
Type Design zwischen Form und Haltung – eine Untersuchung feministischer und queerer Perspektiven
Kann man an einer Schrift erkennen, wofür sie steht? Welche gestalterischen Entscheidungen tragen dazu bei, dass Haltung in Schrift sichtbar wird? Und was passiert, wenn Gestaltung zur Aussage wird?
In meiner Bachelorarbeit untersuche ich, welche gestalterischen Möglichkeiten Type Design bietet, um gesellschaftliche Haltungen – zum Beispiel feministische oder queere Perspektiven – subtil sichtbar zu machen. Im Zentrum steht die Frage, wie sich kulturelle Werte und soziale Kontexte auf formale Entscheidungen im Schriftentwurf auswirken können.
Die Clubkultur nutze ich dabei als Testgelände für meine Schrift. Sie ist ein Kontext, der traditionell mit dem Bruch von Konventionen verknüpft ist – ein Raum, in dem gesellschaftliche Normen temporär außer Kraft gesetzt sind und experimentelle Gestaltung erwartet wird. Diesen Kontext nutze ich jedoch nicht als ausschließlichen Untersuchungsgegenstand, sondern als Anwendungsfeld, um zu prüfen, wie eine Schrift funktioniert, die sich bewusst gegen normative Regeln stellt.
Durch die Entwicklung einer eigenen Schrift sowie die Analyse bestehender typografischer Ansätze möchte ich herausfinden, wie formale Gestaltungsentscheidungen gesellschaftliche Haltungen transportieren können. Ziel meiner Arbeit ist es, Type Design als Mittel kultureller Positionierung zu untersuchen – zwischen funktionaler Gestaltung, gestalterischer Autonomie und gesellschaftlicher Lesbarkeit.
Type Design Between Form and Stance – A Study on Feminist and Queer Perspectives
Can you see what a typeface stands for just by looking at it? Which design decisions help make a certain stance visible in typography? And what happens when the design itself becomes the message?
In my bachelor thesis, I explore how type design can make social stances – like feminist or queer perspectives – subtly visible. I am interested in how cultural values and social contexts influence formal decisions in font design.
I use club culture as a testing ground for my typeface. It is a context known for breaking conventions, where social norms are temporarily suspended and experimental design is expected. I don't use this context as my main research subject, but as a field of application to test how a typeface functions when it consciously opposes normative rules.
By developing my own typeface and analyzing existing typographic approaches, I want to find out how formal design choices can communicate a social stance. The goal of my work is to examine type design as a tool for cultural stance – somewhere between functional design, artistic autonomy, and social legibility.
Julia Meer bringt es im Missy Magazine auf den Punkt: „[…] es gibt nicht ‚die‘ feministische Gestaltung. Sie ist nicht auf einen Look oder Stil begrenzt. Sie ist ebenso vielstimmig wie der Feminismus selbst.“
Wenn es also gar keine feste feministische oder queere Form gibt und jeder Versuch, eine festzulegen, nur die nächste Schublade aufmacht: Wie gestaltet man dann überhaupt eine Schrift zu diesem Thema? Wie vermeide ich es, einfach nur einen neuen, starren Stil zu reproduzieren?
Die Antwort lag für mich darin, die Perspektive zu wechseln: Weg vom fertigen Buchstaben, hin zum Machen und Benutzen. Genau das meint Paul Soulellis mit seiner Verschiebung von Queer Type zu Queer Typing. Es geht um die Handlung, nicht um ein starres Objekt. Und genau hier kommt Sara Ahmeds Begriff Slantwise ins Spiel: Das bewusste Ausscheren aus den gewohnten, „geraden“ Linien.
Ich wollte deshalb keine Form diktieren, sondern ein Werkzeug bauen. Ein Werkzeug, das Haltung nicht festschreibt, sondern als Achse anlegt: Über die variable Linkskursive entscheiden die Gestalter:innen selbst, wie viel Schieflage und Reibung sie dem Layout zumuten.
Statische Schriften zwingen uns in ein klares Entweder-oder: Sie trennen zum Beispiel strikt zwischen aufrechten und kursiven Schnitten. Meine Schrift greift eine zentrale Forderung feministischer und queerer Theorie auf: Durch die Auflösung von Binaritäten besetzt sie den Raum dazwischen. Sie macht den Übergang stufenlos verhandelbar. Die Linkskursive kippt dabei nicht einfach nur nach hinten. Sie widersetzt sich dem gewohnten Lesefluss und performt das, was Sara Ahmed als Slantwise beschreibt – eine bewusste Schräglage zur Norm.
Ich habe einen Mix aus harten Kanten und weichen Kurven entwickelt um auch damit Schubladen aufzubrechen.
Die Serifen haben Rundungen und Aussparungen, fast schon Inktraps, was der Schrift noch mehr Komplexität verleiht.
Um das ohnehin schon komplexe Konzept der Schrift nicht zu überfrachten, habe ich mich für ein Monoline-Konzept entschieden. Die Strichstärken sind optisch ausgeglichen, sodass die horizontalen Linien für eine harmonische Wirkung etwas schmaler sind. Es gibt also doch ein bisschen Kontrast.
Eine hohe x-Höhe & weite Buchstaben mit großem Weißraum führen dazu, dass die Font selbstbewusst genau den Raum einnimmt, den sie benötigt – als visuelles Empowerment für alle, die historisch gelernt haben, sich immer klein zu machen.
Als Specimen dient ein reales Club-Plakat für die Party Mixed Feelings auf dem Klunkerkranich – die Abschlussveranstaltung eines DJ-Workshops für FLINTA* Newcomer.