In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
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Eine illustrative Aufklärung und Auseinandersetzung mit dem Phänomen Kinkeeping
„Kinkeeping“ ist ein Phänomen, das die meist übersehene und dadurch unsichtbare Beziehungsarbeit beschreibt, die dem Erhalt und der Pflege von familiären sowie freundschaftlichen Bindungen dient (Brown & Derycke, 2010). Diese Form der Beziehungsarbeit wird häufig als selbstverständlich wahrgenommen, wodurch der emotionale und physische Aufwand, der damit verbunden ist, oft nicht anerkannt oder schlicht übersehen wird (Friedman, 2024). Kinkeeping umfasst dabei sowohl organisatorische Aufgaben als auch emotionale Fürsorge wie beispielsweise das Erinnern an Geburtstage oder das Pflegen von Kontakten (Mortimer & Shanahan, 2006). Es handelt sich dabei um Tätigkeiten, die meist im Hintergrund stattfinden, jedoch wesentlich zum sozialen Zusammenhalt beitragen (Mortimer & Shanahan, 2006). Da es viele soziale Strukturen betrifft, hat es eine hohe Relevanz und verdient mehr Aufmerksamkeit.
In meiner Bachelorarbeit setze ich mich illustrativ mit dem Phänomen des Kinkeepings auseinander, um die dahinterliegenden Arbeitsprozesse und sozialen Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen. Dabei beschäftigt mich die zentrale Frage: Wie trägt Illustration dazu bei, unsichtbare gesellschaftliche und emotionale Ebenen sichtbar und begreifbar zu machen? Durch die illustrative Aufarbeitung soll das Bewusstsein für diese oft übersehene Beziehungsarbeit gestärkt werden. Ziel ist es, gesellschaftliche Reflexion anzuregen und Menschen für einen bewussteren, achtsameren Umgang mit den Ressourcen, Bedürfnissen und Beziehungen innerhalb ihres sozialen Umfelds zu sensibilisieren.
Die inhaltliche Grundlage bildet eine umfassende Recherche zum Thema Kinkeeping. Dabei setze ich mich vielschichtig mit der Geschichte, den gesellschaftlichen Entwicklungen und den strukturellen Hintergründen sowie das Auftreten dieser unsichtbaren Beziehungsarbeit auseinander. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen entwickle ich eine illustrative Auseinandersetzung, die das Thema auf eine zusätzliche visuelle Ebene überträgt und es so emotionaler, zugänglicher und ansprechender vermittelt.
Kinkeeping is a phenomenon that describes the mostly overlooked and therefore invisible relationship work that serves to preserve and maintain familial and friendly ties (Brown & Derycke, 2010). This form of labor is often taken for granted, which means that the emotional and physical efforts associated with it are often not acknowledged or simply overlooked (Friedman, 2024). Kinkeeping includes both organizational tasks and emotional care such as, remembering birthdays or maintaining contacts (Mortimer & Shanahan, 2006). These are activities that mostly take place in the background, yet they contribute significantly to social cohesion (Mortimer & Shanahan, 2006). Since Kinkeeping affects many social structures, it is of high relevance and deserves more attention.
In my bachelor thesis I address the phenomenon of kinkeeping through illustration in order to make its underlying work processes and social inequalities visible. The central question that concerns me is: How does illustration contribute to making invisible societal and emotional topics visible and understandable? Through this visual approach, awareness for this often overlooked relationship work is intended to be strengthened. The goal is to inspire societal reflection and to encourage people to engage more consciously and mindfully with the resources, needs and relationships within their social environment.
The foundation for my work is formed by extensive research on the topic of kinkeeping. In doing so, I examine the history, societal developments and structural backgrounds, as well as the occurrence of this invisible labor from multiple perspectives. Building on these insights, I develop an illustrative exploration that transfers the topic to an additional visual level and thus conveys it in a more emotional, accessible and appealing way.
Eine Betrachtung von Kinkeeping, Zines und der Umsetzung meines eigenen Konzepts.
Um die unsichtbare Beziehungsarbeit, die hinter Kinkeeping steckt, sichtbar zu machen, entstand ein Zine, das das Konzept und das Thema auf verständliche Weise erklärt und gleichzeitig zur Reflexion einlädt. Durch verschiedene Fragen und interaktive Elemente wie Klappen, Karten und transparente Seiten werden die Leser*innen angeregt, über Kinkeeping nachzudenken und sich bewusst zu machen, was alles dazugehört und wer diese Arbeit leistet.
Das Zine verfolgt nicht das Ziel, die Ungleichverteilung dieser Arbeit vollständig aufzulösen, sondern soll neue Perspektiven eröffnen und für die Bedürfnisse von Kinkeeper*innen sensibilisieren und dadurch langfristig einen Wandel anstoßen.
Kinkeeping ist anspruchsvolle und langwierige Arbeit, die jede Person unabhängig vom Geschlecht übernehmen kann und sollte, und das Zine soll dazu beitragen, diese Arbeit sichtbar und erfahrbar zu machen.
Mein Bachelorportfolio findet ihr auf dieser Website.
Wenn ich auf das Projekt zurückblicke, war es eine große Herausforderung für mich, nicht nur inhaltlich, sondern auch kreativ. Die Arbeitszeit war oft von durchgehendem Stress und Selbstzweifeln geprägt, ob ich meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden würde. Nach und nach, durch die Bearbeitung des Themas und die Auseinandersetzung sowie Konzipierung des Zines, wurde alles klarer und strukturierter. Den Stress und die Angst, nicht fertig zu werden, konnte ich zwar nicht vollständig ablegen, aber ich bin erleichtert, nun ein fertiges Zine und eine inhaltliche Auseinandersetzung zu haben, auf die ich stolz bin.
Kinkeeping ist ein unfassbar breites und vielschichtiges Thema, deutlich größer als ich anfangs erwartet hatte. Diese Erkenntnis war nicht nur interessant, sondern auch sehr aufschlussreich und überwältigend zugleich. Die thematische Ausarbeitung hat mich und die Menschen, mit denen ich ins Gespräch gekommen bin, sensibler für die Muster von Kinkeeping gemacht. Ihre überraschten Reaktionen waren wertvolles Feedback und ich hoffe, dass ich mit meinem Zine und meinen Illustrationen auch bei vielen weiteren Menschen ähnliche Effekte erzielen kann.
Gleichzeitig war das Thema durch meine persönliche Verbindung schwierig. Ich sehe mich selbst als aktive Kinkeeperin in meinen familiären und freundschaftlichen Strukturen, wodurch eine gewisse Nähe entstand, die das Trennen von Forschung und persönlicher Erfahrung erschwerte. Obwohl ich es wichtig finde einen persönlichen Bezug zu haben, musste ich Abstand gewinnen und mir für meine Arbeit klare Grenzen setzen.
Nichtsdestotrotz habe ich unglaublich viel sowohl inhaltlich als auch technisch aus dieser Erfahrung mitgenommen. Das Zusammenspiel von planen und umsetzen, aber auch einen Moment für Pausen zu finden, hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, alles im Blick zu behalten, zu reflektieren und zielstrebig zu arbeiten.
Für die Zukunft hoffe ich, dass mein Zine und meine Arbeit das erreichen, wofür ich so viel Zeit und Energie investiert habe. Ich hoffe, dass sich zumindest einige Kinkeeper*innen durch mein Zine gesehen, wertgeschätzt und unterstützt fühlen, denn genau das haben sie verdient.