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Eine Geschirrkombination

Bei meinem Projekt, das den Arbeitstitel „A1f1g1“ trägt, handelt es sich um eine dreiteilige Geschirrkombination.

In dem Anfertigungsprozess habe ich das herkömmliche Keramikhandwerk mit der CNC-Frästechnologie kombiniert. Nebenbei beschäftigte ich mich mit einer Glasurrecherche und experimentierte mit dem Pigmentieren der Porzellanmasse.

Wie viele einzelne Schritte zwischen dem ersten Bleistift-Strich und der fertigen Tasse liegen möchte ich mithilfe von fünf Filmen verdeutlichen. Die Videos sind in Zusammenarbeit mit Daniel Birnbaum im Kurs Motion Advanced 3.0 zum Thema Projektdokumentation bei Prof. Klaus Dufke entstanden.


Formfindung im Entwurfsprozess




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Die Arbeit am Computer und die Umsetzung an der CNC-Fräse ermöglicht ein extrem genaues Modellieren der abzugießenden Körper. Zudem erweiterte es meinen Spielraum bei der Formfindung. Ich war nun nicht mehr an drehsymmetrische Formen gebunden, wie ich es bei dem herkömmlichen Prozess im vorherigen Semester mit Schablone und Grundplatte kennengelernt hatte. Zuerst beschäftigte ich mich zeichnerisch und mit groben Papierschablonen mit verschiedenen Körpern und Formen. Die favorisierte Zeichnung detaillierte ich schließlich und übertrug sie ins CAD-Programm.


Der Fräsprozess

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Da ich die Frästechnologie gerade erlernte und im Umgang mit der Maschine noch nicht geschult war, ging vieles schief. Ich musste den Fräsablauf deshalb mehrfach wiederholen und den Prozess somit öfter durchlaufen. Dies vertiefte meine Fräskenntnisse enorm, verzögerte jedoch meinen Prozess in der Modellierwerkstatt. Je geübter ich jedoch werde, umso effizienter kann ich arbeiten und umso mehr Sinn sehe ich darin weiterhin beide Technologien/Handwerke zu nutzen und auch zu kombinieren.

Die Arbeitsschritte in Stichpunkten • Formbau im CAD-Programm (solidworks) • iges-Datei exportieren und in visual mill importieren • bearbeiten und programmieren der Datei in visual mill • Post erstellen • Fräsen • überarbeiten der gefrästen Objekte • (zweiter bzw. dritter Fräsdurchlauf) • Zusammenfügen der zweiteiligen Formen • restliche Frässpuren mit Schleifpapier beseitigen




Abgießen der Negativformen

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Ich liebe das Arbeiten mit den Händen. Während man beim Fräsen hinter der Maschine steht, steht man bei der Arbeit mit Gips und Porzellan in direktem Kontakt zum Objekt und hat schließlich auch eine andere Beziehung zu dem Ergebnis.

Die Vorgehensweise in Stichpunkten • Grundplatte & Positivform mit Schellack einpinseln • Trennmittel (Schmierseife) auftragen • Folie um die Grundplatte legen und mit Klammer und Spanngurten befestigen • Genügend Gips anrühren & in den Folienzylinder füllen • Gips aushärten lassen • Grundplatte und Positivform entformen

Anfertigen der Gießringe (nicht im Video themaitisiert) • Die Negativform mit Ton befüllen (der Ton muss 3cm herausragen) • Trennmittel auftragen • Folie um die Negativform legen und mit Spanngurten befestigen • Gips anrühren & in den Folienzylinder füllen • Gips aushärten lassen • Gussform gut durchtrocknen lassen




Abgießen der Positivformen

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Der Vorgang in Stichpunkten • Keramikmasse durchrühren • Masse in die Gussform gießen (bei mehrfachen Durchläufen durch ein Sieb gießen um Klümpchen in der Masse herauszufiltern und ein gleichmäßiges Ergebnis zu erzielen) • bis zur gewünschten Wandstärke warten • überschüssige Keramik in den Eimer zurückgießen • Form kopfüber abtropfen lassen und warten bis die Oberfläche matt ist • Masse vom Gießring lösen und Ring abnehmen • mit einem Cutter den Becherrand sauber abschneiden • Keramikform lederhart werden lassen und vorsichtig aus der Form klopfen • Abgegossene Körper trocknen lassen • mit Schleifpapier glätten oder mit einem nassen Schwamm bearbeiten




Eine Glasurrecherche und das Experimentieren mit Pigmenten

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Durch Farbe und Struktur der Glasur kann man mit nur einer Form eine Vielzahl unterschiedlicher Charaktere erzeugen.

Kursunabhängig habe ich mich mit einer Glasurrecherche beschäftigt und mit Pigmenten experimentiert. Dabei konnte ich beobachten, wie sich Glasuren und die verschiedenen Gießmassen bei unterschiedlichen Temperaturen verhalten und durch Pigmentieren der Porzellanmasse vielseitige Effekte erzielen.

Die Arbeitsschritte in Stichpunkten • Probescherben (Steinzeugmasse anthrazit und weiß, Porzellan mont blanc) abgießen, markieren und brennen (Schrühbrand 900 °C) • verschiedene Glasuren auftragen / Engobe anrühren, mit Pigmenten vermengen und aufstreichen • gleiche Glasurkombinationen auf den jeweiligen Scherben auftragen und dokumentieren, welche Glasuren gemischt/ aufgetragen wurden • die Scherben ein zweites Mal brennen (Glasurbrand) • ertser Durchlauf: einhalten der maximalen Brenntemperatur für die Glasuren (1080 °C) • zweiter Durchlauf: empfohlene Brenntemperaturen überschreiten (1250 °C) • Ergebnis auswerten und entsprechendes Fazit ziehen • abgegossene und bereits im Schrühbrand gebrannte Objekte glasieren und den Glasurbrand, bzw. Glattbrand durchlaufen lassen




Die fertige Geschirrkombination

Um ein Projekt für mich abzuschließen, ist das Fotografieren der Ergebnisse von großer Bedeutung. Gutes Kamera-Equipment von der Fachhochschule leihen zu können ist daher unglaublich viel wert. Fotografie bietet mir die Möglichkeit meine Projekte zu konservieren. Zudem kann ich dabei die Stärken des Objektes hervorheben oder eine atmosphärische Umgebung schaffen, in der dessen Wirkung verstärkt oder die Funktion erklärt wird.




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Making-of / Outtakes




Fazit

Sowohl der herkömmliche Anfertigungsprozess als auch das maschinengestützte Arbeiten bringen jeweils Vor- aber auch Nachteile mit sich. So ist das maschinengestützte Arbeiten oft präziser und schneller, doch es führt auch zu gewissen Einschränkungen. In meinem Anfertigungsprozess stieß ich auf das Problem, dass eines meiner Gefäße zu hoch war und sich wegen der Werkzeuglänge nur schwierig aus einem Teil hätte fräsen lassen. Demnach teilte ich die Form entzwei und setzte sie im Nachhinein manuell zusammen, was wiederum Ungenauigkeiten mit sich brachte. Gleichzeitig schafft es andere Freiheiten in der Formfindung. Im Kurs sind spannende Ansätze und Ideen diesbezüglich entstanden, die ich sehr inspirierend fand. So spielte Jonathan bewusst mit den Werkzeugwegen und den daraus resultierenden Spuren. Wolfgang fräste verschiedene Strukturen, die er schließlich abgoss und als Standfläche für sein Gefäß nutzte und schaffte somit ein präzise Positiv-Negativstruktur, die ineinandergreift. Manuell wären beide dieser Entwürfe äußerst kompliziert in der Umsetzung gewesen. Ich sehe in dem Kombinieren der Frästechnologien mit dem Keramikhandwerk enormes Potential. So besteht für mich nun die Möglichkeit, Keramikobjekte mit anderen Materialien, die ich mit der Arbeit am Computer und der Umsetzung an der Fräse präzise genau anpassen kann, zu ergänzen. Dies schafft eine Vielzahl an gestalterischen Möglichkeiten.

Dankeschön

Ich möchte meine tiefe Dankbarkeit für die so wertvolle Zusammenarbeit mit Daniel ausdrücken. Aus einer harmonischen Teamarbeit sind so gute Videos herausgekommen, die ohne ihn nicht entstanden wären. Ich durfte viel von ihm lernen und seine Art zu arbeiten, sein Blickwinkel auf meine Arbeitsschritte, sein Feingefühl für Bildsprache und seine Liebe zum Detail haben mich sehr inspiriert und mich sehr bereichert. Ich danke dir, Daniel <3

Fachgruppe

Sonstiges

Art des Projekts

Studienarbeit im zweiten Studienabschnitt

Betreuung

foto: Cora Gebauer foto: bh foto: Prof. Klaus Dufke

Zugehöriger Workspace

Keramik & Produkt 2

Entstehungszeitraum

WiSe 16 / 17 – SoSe 17