In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
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Dieses Projekt ist ein Forschungsprojekt, das als Teil des Further Reading Seminar „Andere Zeichen \ Andere Ordnungen“ entwickelt wurde. Durch die Gegenüberstellung beider Schriftsysteme sowie experimentelle Anordnungen historischer Zeichenformen macht das Projekt ihre gemeinsamen Ursprünge und unterschiedlichen Entwicklungswege erfahrbar.
Ausgangspunkt unseres Projekts war eine überraschende historische Entdeckung: Der lateinische Buchstabe A und das chinesische Schriftzeichen 牛 gehen beide auf dasselbe piktografische Motiv – den Kopf eines Rindes – zurück. Obwohl beide Schriftsysteme denselben Ursprung teilen, entwickelten sie sich in völlig unterschiedliche Richtungen.
Diese Beobachtung führte zu unserer zentralen Fragestellung:
Wir möchten die Entwicklung chinesischer Schriftzeichen und des lateinischen Alphabets vergleichen.
Während das lateinische Alphabet seine Zeichen schrittweise von ihrer ursprünglichen Bildbedeutung löste und zu einem phonetischen Schriftsystem wurde, bewahrte die chinesische Schrift ihre Verbindung zwischen Form und Bedeutung und entwickelte sich als Bildschriftzeichen weiter.
Um diese beiden unterschiedlichen Entwicklungspfade sichtbar zu machen, konzentrierten wir uns auf zehn Zeichenpaare mit demselben piktografischen Ursprung. Beide Schriftsysteme wurden jeweils in fünf historischen Entwicklungsstufen dargestellt.
Um die Entwicklung der Schrift nicht nur abzubilden, sondern auch erfahrbar zu machen, entwickelten wir eine Publikation mit einer experimentellen Seitenstruktur. Jede Doppelseite ist horizontal in drei unabhängige Bereiche unterteilt. Dadurch können die Leser*innen die einzelnen Ebenen frei kombinieren und Zeichenformen verschiedener historischer Entwicklungsstufen miteinander verbinden. Das Buch wird so selbst zu einem Werkzeug, mit dem neue Zeichen und neue Ordnungen entstehen können.
Das Buch dokumentiert die Entwicklung von zehn Zeichenpaaren mit gemeinsamem piktografischem Ursprung. Jedes Kapitel widmet sich einem Motiv – etwa Ox Head, Door oder House – und zeigt dessen Entwicklung im chinesischen Schriftsystem sowie im lateinischen Alphabet.
Die linke Buchseite präsentiert die fünf historischen Entwicklungsstufen der chinesischen Schrift, die rechte Seite diejenigen des lateinischen Alphabets. Ergänzende Informationen erläutern die jeweilige Entstehungszeit und den historischen Kontext der Zeichen.
Durch die bewegliche Seitenstruktur können die Leser*innen die Entwicklungsstufen nicht nur vergleichen, sondern auch aktiv miteinander kombinieren und dadurch immer neue Zeichenkonstellationen entdecken.
Die Webseite
Parallel zum Buch entstand ein interaktiver Web Prototype.
Über verschiedene piktografische Ursprünge – beispielsweise Ox Head, House, Door oder Human – können Nutzer*innen zwischen unterschiedlichen Zeichenfamilien wechseln. Beim Scrollen wird die Entwicklung der jeweiligen Zeichen durch die historischen Stufen sichtbar.
Die linke Bildschirmhälfte zeigt die chinesischen Schriftzeichen, die rechte das lateinische Alphabet. Beide Seiten lassen sich unabhängig voneinander scrollen. Dadurch können beide Entwicklungen synchron verglichen oder einzeln untersucht werden.
Die Website ergänzt das Buch um eine digitale Form der Exploration und ermöglicht einen flexibleren Zugang zu den historischen Zusammenhängen.
Als Erweiterung des Buches entwickelten wir eine Serie experimenteller Karten.
Ausgehend von der dreigeteilten Seitenstruktur des Buches wurden einzelne Zeichen ebenfalls in drei Segmente zerlegt. Durch die freie Kombination dieser Segmente aus unterschiedlichen Entwicklungsstufen entstehen neue, bisher nicht existierende Zeichen.
Aus zahlreichen möglichen Kombinationen wählten wir acht besonders interessante Ergebnisse aus und produzierten sie als Risodruck-Karten.
Die größte Herausforderung unseres Projekts war das Zeitmanagement. In der Konzeptphase investierten wir viel Zeit in die Suche nach einer geeigneten Buchform, anstatt Ideen frühzeitig praktisch zu testen. Dadurch wurde die Produktionsphase deutlich knapper als geplant.
Trotzdem konnten wir das Projekt erfolgreich abschließen. Besonders gelernt haben wir, konzeptionelle Überlegungen und Prototyping früher miteinander zu verbinden sowie Inhalte für unterschiedliche Medien – Buch, Website und Karten – konsistent und zugleich mediengerecht zu gestalten.