In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In dem Kurs entstand in Kooperation mit dem Stadtteilladen Bornstedt ein Buch über Geschichten und Gesichter aus Bornstedt. Grundlage dafür waren zehn Interviews. Emma und ich beschäftigten uns mit dem Interview über Manal Alhamwiah, welches wir auf achtzehn Seiten gestalteten. Außerdem übernahm ich die Gestaltung des Covers und Inhaltsverzeichnis und half dabei ein weiteres Interview mit Fotografien zu bebildern.
Für die gemeinsame Arbeit haben wir ein Miro-Board erstellt, auf dem wir unsere Ideen sammelten. Dort fügten wir verschiedene Inspirationen hinzu, um eine Vorstellung davon zu bekommen, in welche gestalterische Richtung es gehen soll. Um zu entscheiden, welche Richtung wir gut finden, haben wir Sterne vergeben und so unseren ersten Entwurf gestartet.
Beim Betrachten der gesammelten Layoutbeispiele, fiel auf, dass uns besonders die Entwürfe ansprachen, die mit sich überlappenden Elementen arbeiten.
Im Hinblick auf die Multi-Kulti-Küche kamen uns auf der visuell-illustrativen Ebene vor allem Assoziationen von Tellern und Mustern in den Sinn. Außerdem sind uns Beispiele aufgefallen, die mit dem Kontrast von Schwarz und einer knalligen Farbfläche arbeiten und Objekte freistellen.
Der Prozess, eine Bildsprache zu finden, war sehr lang und wir haben sehr viel ausprobiert und experimentiert. Es gab verschiedene Ideen, wie die Grafiken umgesetzt werden könnten. Da das verfügbare Bildmaterial nicht optimal war, mussten wir nach Alternativen suchen, um den Text grafisch zu begleiten.
So haben wir zu Beginn verschiedene Elemente aus dem Text ausgewählt, wie beispielsweise die Koranbox für Behördenbriefe. Diese übersetzen wir in eine Pixelgrafik, um Muster aufzugreifen, die einen Bezug zur arabischen Kultur herstellen sollte.
Die Schwäche dieser Idee lag in der Kleinteiligkeit der Grafik, die im Format der Publikation nicht wirklich zur Geltung gekommen wäre.
Emma arbeitete außerdem an der Idee, die Muster verschiedener Teller und des Geschirrs aus dem arabischen Raum zu nutzen und sie in Pixelmuster zu übersetzen. Bei der Suche nach syrischem Geschirr als Vorlage haben wir spannende Online-Bibliotheken bzw. Archive entdeckt:
https://www.metmuseum.org/de/essays/stonepaste-12-century
https://tirazcentre.org/collection/
https://www.lovedamascus.com/en/syrian-handicrafts/al-qishani
https://islamicart.museumwnf.org/pclist_all.php?begin=0&lang=en&start_date=1900&end_date=none
Die daraus entstandenen Grafiken konnten wir wirkungsvoller auf den Seiten platzieren. Allerdings haben wir daran gezweifelt, ob den Betrachter:innen die Referenz auf syrische Keramik klar wird. Da davon auszugehen ist, dass die Leser:innen in Bornstedt nicht über genügend kulturelles Wissen zur Erfassung des Hintergrunds verfügen.
Ein weiterer Entwurf entstand aus der Idee Textelemente mit syrischen Ornamenten zu collagieren und sie mit Photoshop so zu bearbeiten, dass sie wie ein Stempel aussehen.
Die Idee des Stempels ist jedoch leider mit der unschönen Assoziation des Abgestempeltwerdens verbunden. Außerdem wirken die Grafiken trotz der Bearbeitung relativ flach.
Schließlich sind wir doch wieder zu dem ursprünglichen Bildmaterial zurückgekommen und haben es gerastert. So konnten wir einerseits die eher schlechte Qualität der Bilder umgehen und andererseits einen einheitlichen Look erzeugen.
Und dann stand auch schon die Konzeptpräsentation an. In diese gingen wir erstmal mit einer lockeren Sammlung von Bildideen, die noch nicht vollständig ausgearbeitet waren und erstmal unsere Idee verdeutlichen sollten. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir nämlich fest vor, uns mit Manal zu treffen, um neues Bildmaterial zu generieren.
Neben den illustrativen Elementen war es uns sehr wichtig, den Textabschnitt über die Flucht von Manal und ihrer Familie typografisch und gestalterisch hervorzuheben. Dafür entschieden wir uns die entsprechende Doppelseite mit einem schwarzen Hintergrund zu versehen.
Typografisch setzten wir den Text frei um die Grafiken herum. Um mehr Leseeinstiege zu schaffen, haben wir einzelne Zitate in einer anderen Font und in Grün hervorgehoben. Die Kapitelüberschriften setzten wir in einer Serifenschrift im Italic-Schnitt, sodass sie sich durch ihre leichtere Optik vom Fließtext abheben, ohne mit den hervorgehobenen Zitaten zu konkurrieren.
Dieser Entwurf kam bereits sehr gut an, was uns in unserem Plan bestätigte. Auch unsere Farbwahl wurde gelobt. Nun ging es an die weitere Ausarbeitung.
Leider war es uns schlussendlich doch nicht möglich, noch einmal weiteres Bildmaterial bei einem Treffen mit Manal zu sammeln. Deshalb probierten wir in vielen Entwürfen, mit Bildmaterial aus dem Internet zu arbeiten.
Letztendlich waren wir uns jedoch einig, dass wir nur ornamentale Elemente aus dem ursprünglichen Bildmaterial von Bea Fricke verwenden wollen. So entsteht eine zusammenhängendere Optik.
Als Ausgangspunkt nutzten wir die Koranbox, die Manal mit deutschen Behördenbriefen gefüllt hatte. Diese Box haben wir verwendet und den Adler hinzugefügt. Außerdem nutzten wir verschiedene Elemente der Koranbox in den anderen Grafiken. Die Bushaltestellen-Grafik versahen wir zusätzlich mit dem Muster der Box, genauso wie das Ornament, um den Einkaufskorb herum. Auch für das Cover nutzen wir einen Teil der Koranbox, um Manal einen Rahmen zu geben. Dadurch zieht sich die Grafik durch das gesamte Interview.
Nach der Bearbeitung der Kontrasten haben wir diese Collagen gerastert und eingefärbt. Dabei wird der Großteil der Grafik grün, ein kleiner Akzent wird aber durch eine schwarze Hervorhebung gesetzt.
Wir haben uns dafür entschieden, den Text nur punktuell mit den gerasterten Grafiken zu unterlegen, um einen schönen Rhythmus zu gewährleisten.
Das Kapitel, in dem Manal über ihre Fluchterfahrungen spricht, haben wir schwarz eingefärbt und in der vorangehenden Seite mit einem schwarzen Verlauf eingeleitet. Da hier bereits über einige schwere Erfahrungen berichtet wird.
Typografisch entschieden wir uns dafür, den Fließtext ruhig und stets seitlich durch die Doppelseiten fließen zu lassen. So kamen die Grafiken und Zitate besser zur Geltung. Der Flattersatz sorgt dabei für eine gewisse Lockerheit.
Der Fließtext wurde in der allgemein festgelegten Fließtextfont Fira Sans Book gesetzt.
Für die Kapitelüberschriften verwendeten wir weiterhin die locker wirkende TT Livret Italic. Außerdem rückten wir diese noch ein Stück weiter ein. Dieses Einrücken wiederholten wir, um kleinere Sinnesabschnitte zu trennen.
Die hervorgehobenen Zitate reduzierten wir deutlich, sodass sie mit den Grafiken korrespondieren. Sie wurden in Zangezi SemiLight gesetzt, die eine ornamentale und gleichzeitig leichte Optik mit sich bringt.
Innerhalb des Kurses haben wir uns die restlichen Elemente der Publikation in Teams aufgeteilt. Nur beim Cover konnte jede*r selbstständig einen Entwurf erarbeiten.
Während der Arbeit an dem Interview-Entwurf fiel bei mir die Gestaltung des Covers anfangs eher hinten runter, aber am Abend vor der ersten Entwurfs-Besprechung kam mir dann doch eine Idee. Ich schaute mir die im Workshop beim Stadtteilfest gesammelten Liebesbriefe an Bornstedt durch und versuchte die Worte des Titels in verschiedenen Handschriften zu finden. Ich konnte aber nicht alle im Titel vorkommenden Wörter finden, und entschied mich deshalb für meinen Entwurf nur mit dem Wort Bonstedt zu arbeiten. Dies waren meine ersten Entwürfe:
Auf einem Miro-Board wurde durch eine Abstimmung eine erste Vorauswahl der Entwürfe getroffen und wir gaben uns gegenseitig Feedback. Das hat mir sehr geholfen eine Richtung für meinen Entwurf zu finden. Und mir wurde klar, dass ich noch eine wirkungsvollere Komposition finden musste.
Deshalb habe ich für die zweite Feedbackrunde die Schriftzüge in verschiedenen Größen wild durcheinander geworfen, um zu sehen welche Variante am besten wirkt.
Bei der zweiten Kritik sprach sich die Mehrheit des Kurses dafür aus, die Worte größer ins Format zu setzten, um so einen grafischeren Look zu kreieren. Das war der letzte Schubser für mein finales Design.
Außerdem wurde uns klar, dass sich das Inhaltsverzeichnis auch an dem Cover orientieren sollte und so bekamen wir auch die Verantwortung für diese Gestaltung.
Bei der Abschlusspräsentation entschied das Stadtteilladenteam dann zwischen drei Cover Entwürfen. Und ich war sehr glücklich, dass mein Entwurf am Ende ausgewählt wurde.
Als Teil des Kurses hatte ich auch die Möglichkeit im Foto-Team den Kursprozess zu begleiten und weiteres Bildmaterial zu generieren.
Bei der Konzeptpräsentation durfte ich die erste Entwurfskritik des Stadtteilladenteams fotografisch dokumentieren.
Außerdem konnte ich die Interview Gruppe, die sich mit Ben Briesenick beschäftigt hat, mit einer Erweiterung der Bildauswahl unterstützen. So haben Luna Plecher und ich Ben getroffen. So sind bei einer Tour des Gemeindegeländes, des Jugendraums und der Kirche einige Fotografien entstanden. Dabei war es sehr dankbar zu zweit zu arbeiten, so konnte Luna das Treffen leiten, Fragen und Bildanstöße geben, während ich mit meiner Kamera um die beiden und auf dem Gelände herumgeschwirrt bin.
Dieser Kurs war einer meiner ersten Hauptstudiumskurse und ich habe gemerkt, wie sehr ich es genieße, viel Zeit in ein Projekt stecken und auf vielfältige Weise daran arbeiten zu können. Zum einen konnte ich mit Emma das Thema Layout und redaktionelle Gestaltung noch einmal sehr vertiefen. Es hat mir unglaublich viel gegeben, im Team verschiedene Gestaltungsansätze auszuprobieren, gemeinsam zu evaluieren, Dinge zu verwerfen und sich vor allem gegenseitig beizustehen, vor Allem beim Kampf mit dem Flattersatz.
Gleichzeitig war ich sehr froh, in einem Kurs auch mal wieder meine Kamera auspacken zu dürfen. Auch wenn dabei kein eigenständiges fotografisches Projekt entstanden ist, war es für mich sehr gut, wieder ins Fotografieren reinzukommen. Durch das Treffen mit Ben konnte ich außerdem lernen, wie ich in Zukunft an das Fotografieren zu einem bestimmten Thema herangehen könnte. Dabei habe ich gemerkt, wie wichtig es für mich ist, in dieser Situation zusammen mit einer zweiten Person unterwegs zu sein.
Und zu guter Letzt bin ich sehr stolz darauf, dass ich am Ende auch das Cover für unsere Publikation gestalten durfte. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, bei solchen Projekten immer am Ball zu bleiben. Da die Gestaltung unseres Interviews schon recht früh finalisiert war, hätte ich auch mehr Energie in andere Projekte stecken können. Umso mehr bin ich froh, dass ich mir noch einmal einen Push gegeben und das Projekt aus einer anderen Perspektive betrachtet habe. Dadurch konnte ich schließlich eine Covergestaltung entwickeln, die das gesamte Projekt zusammenführt.
Alles in allem habe ich in diesem Semester sehr viel gelernt, sowohl über meine eigene Arbeitsweise als auch über Layout und die Zusammenarbeit mit anderen. Besonders schön finde ich, dass aus unserer Arbeit am Ende tatsächlich eine Publikation entsteht und das Projekt damit auch nach dem Kurs weitergeht. Die vielen Diskussionen im Kurs über den Aufbau und das Konzept des Buches haben mir außerdem gezeigt, wie viele verschiedene Entscheidungen in so einem Projekt zusammenkommen. Dadurch habe ich noch einmal einen anderen Blick auf Publikationen bekommen und besser verstanden, wie wichtig es ist, Gestaltung, Inhalt und die Zusammenarbeit im Prozess immer wieder zusammenzudenken.