In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
Dokumentation · The Politics of Translation · bei Prof. Susanne Stahl
Im Slawischen gibt es rund 20 Sprachen. Obwohl diese Gruppe aus unterschiedlichen Völker besteht, verbindet das slawische Volk weit mehr als nur der gleiche Ursprung. Egal ob Literatur oder Kulinarik, immer wieder gibt es Schnittstellen. Jedoch sticht dabei die Sprache besonders hervor. Oft versteht man Bruchstücke, mal mehr mal weniger, aber meistens reicht es aus, um zu kommunizieren. Dieses Phänomen hat einen Namen. Interkomprehension beschreibt die Fähigkeit, eine fremde Sprachen des gleichen Stamms in Teilen zu verstehen. Ein Phänomen, dass im Slawischen vergleichsweise stark vorkommt und uns beiden auf Grund unseres polnischen und russischen Hintergrunds schon oft aufgefallen ist. In diesem Projekt nehmen wir die Interkomprehension unserer Sprachen genauer unter die Lupe.
Um die Schnittstellen zu untersuchen und einzuordnen, haben wir Textmaterial von einer in die andere Sprache akustisch übersetzt. Abwechselnd trägt eine Person einen Text in ihrer jeweiligen Muttersprache vor, während die andere mitschreibt, was sie vermeintlich verstanden hat. Inhaltlich nutzen wir Texte, die nach unserer subjektiven Wahrnehmung eine Bedeutung für unsere Kultur hat. Von Dziad i Baba bis hin zu Нон стоп verwenden wir Märchen, Musik und Gedichte um unserem Vorhaben nachzugehen. Im Anschluss vergleichen wir das Original mit dem Transkript, und untersuchen Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Das Experiment hat keine sprachwissenschaftliche Qualität und findet in einem sterilen Umfeld statt. Das heißt, die Texte wurden in Ruhe und teilweise mehrmals vorgetragen und transkribiert. Die Umstände entsprechen also keinen realistischen Alltagssituationen. Um die Resultate unserer Versuche sinnvoll aufzubereiten und zugänglich zu machen, haben wir sie zusätzlich auf Englisch übersetzt. Dabei versuchen wir, die Bedeutung und den Wortlaut so genau wie möglich wiederzugeben.
Als Medium nutzen wir eine Publikation die das Experiment und seine Resultate dokumentiert.
Format: Das Buch misst 170 x 240 mm. Uns war es wichtig ein Format zu wählen, welches genügend Spielraum bietet um das Textmaterial sinnvoll anzuordnen und plakative Darstellungen ermöglicht.
Schriften: Wir nutzen die ABC Gaisyr von Dinamo, das diese neben dem Lateinischen auch die diakritische Zeichen aus dem Polnischen und das Kyrillische Alphabet beinhaltet.
Symbole: Um die Resultate zu strukturieren haben wir Symbole entwickelt, welche die Übersetzungen unterscheiden.
Stilmittel: Als Stilmittel für plakative Seiten, bearbeiten wir die Schrift via Illustrator und einem Dithering-Effekt auf tooooools.app.
Kapitelaufbau: Jedes Kapitel wird folgendermaßen strukturiert.
1. Kapitelübersicht: Plakative Darstellung Originaltitel & Transkript des Originaltitels. Informationen zu Kategorie, Schwierigkeitsgrad, und Quelle.
2. Originaltext & Transkript: Texte werden nebeneinander platziert um direkten Vergleich zu ermöglichen.
3. Englische Version: An der selben Stelle wie auf vorheriger Seite.
4. Best of: Plakative Darstellung der skurrilsten Fehlübersetzung. Informationen zu Absatz, Zeile.
5. Similarities: Überschneidungen werden mittels ausschwärzen hervorgehoben. Auswertung durch Prozentangaben.
6. Differences: Unterschiede werden mittels ausschwärzen hervorgehoben. Auswertung durch Prozentangaben.
Cover: Für das Cover haben wir einen Acryl beschichten neon grünen Karton gewählt um dem schwarz-weissen Innenteil einen Kontrast entgegenzubringen. Diesen haben wir mit dem polnischen Titel ECHO vorne und dem russischen Pendant ЭХО via Siebdruck bestückt. Auf der weissen Innenseite des Covers haben wir in Neongrün die Namen aller originalen Autoren großflächig dargestellt.
Faltplakat: Um dem Printprodukt ein kleines Feature zu verpassen, haben wir ein Faltplakat gestaltet, welches dem Buch beigefügt wird. Auf dem Plakat ist ein Gedicht, bestehend aus unseren Fehlübersetzungen abgebildet.
Zu beginn des Experiments hatten wir zwar das Gefühl Teile der anderen Sprache zu verstehen, waren uns aber nicht sicher, ob die Schnittstellen ausreichen um ganze Texte zu übersetzen. Tatsächlich hat das ganze aber sehr viel besser funktioniert als anfangs angenommen. Insgesamt haben wir es geschafft etwa 53% der Texte mehr oder weniger richtig zu übersetzen. Dabei hat die Übersetzung vom Polnischen ins Russische mit etwa 57% Übereinstimmung besser funktioniert als die umgekehrte Variante (etwa 49%).
Während sich die Meisen Transkripte in diesem Bereich einpendeln, gab auch einige Ausreisser aus diesem Durchschnittswert. Bei Tepemok und Cichosza haben wir es geschafft etwa 80% des Textes zu übersetzen. Ein sehr überraschendes Ergebnis, welches wir so nicht erwartet haben. Wiederum andere Texte wie Отговорила роща золотая mit 30,68% konnten wir weniger gut übersetzen.
Retrospektiv sind uns einige Multiplikatoren aufgefallen, die die Qualität der Transkripte beeinflusst haben. Wir haben festgestellt, dass Texte aus dem Altrussisch- oder polnischem tendenziell geringere Schnittstellen bieten andere. Wenn die Texte zudem eher untypische Satzsturkturen verwenden wie etwa in poetischen Texten, wird es noch schwieriger. Des Weiteren scheint der Inhalt auch eine Rolle zu spielen. Texte die eher einfache Sachverhalte besprechen konnten wir besser übersetzen. Bei Lücken der Interkomprehension, konnten wir besser den Inhalt zusammenreimen, als bei komplexeren Sachverhalten.
Jedoch ist es auch mit diesen Erkenntnissen schwierig ein endgültiges Fazit zu ziehen. Einerseits ist die Versuchsanzahl zu gering um zu einem akkuraten Schluss zu kommen und andererseits hatte das Experiment keine sprachwissenschaftliche Qualität. Des Weiteren gab es auch bei den festgestellten Tendenzen Ausnahmen, die unseren Thesen widersprechen.
Was die Gestaltung betrifft lief es zunächst etwas holprig. Unser Entwurf ging anfangs in eine andere Richtung. Als es ans finalisieren ging entschieden wir uns noch einmal eine 180° Wende zu machen. Retrospektiv eine gute Entscheidung. Zwar resultierte das ganze in einem hohen Arbeitsaufwand, zugleich aber auch in einem Projekt, was uns nicht nur inhaltlich zufriedenstellt.
Das typografische Arbeiten mit Poesie war auf jeden Fall eine Herausforderung. Oft sind wir an Grenzen der Gestaltungsmöglichkeiten gestoßen und mussten neue Wege finden mit dem Textmaterial umzugehen. Zuletzt hat das Ganze geklappt, aber in Zukunft werden wir vermutlich diese Art des Textmaterials meiden.
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