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Color that wasn't there

Ein experimenteller Videoessay, der die Rolle von Farbe im filmischen Storytelling untersucht. ✨

Durch die Neugestaltung der Farbpaletten vertrauter Filmszenen erforscht das Projekt, wie Farbe Emotion, Wahrnehmung und narrative Bedeutung beeinflusst.

Finales Video

Wenn wir die Farbe einer Filmszene austauschen, verändert sich dann auch ihre Emotion, Bedeutung und Wahrnehmung?

Dieses Video stellt diese Frage.

Die Antwort gehört dir :)

Einführung

In unserem Kurs haben wir uns intensiv mit Farbe im Storytelling beschäftigt - sowohl theoretisch als auch praktisch.

Für mich gibt es kaum etwas Interessanteres als Storytelling. Und damit meine ich nicht nur Design oder Film, sondern auch unseren Alltag. Wenn jemand ein Wochenende spannend erzählen kann oder einfache Ereignisse lebendig beschreibt, dann merkt man sofort: Diese Person ist ein Storyteller.

Im Design ist es genauso. Jedes Produkt, jede Marke, jedes Plakat verfolgt ein Ziel - es will etwas erzählen. Genau deshalb ist Storytelling so wichtig. Es geht nicht nur um Ästhetik, sondern um Bedeutung.

Farbe als Werkzeug im Storytelling

Wenn wir über Werkzeuge des Storytellings sprechen, denken wir schnell an Dramaturgie, Text oder Bildkomposition. Aber eines der stärksten Werkzeuge ist Farbe.

Im Kurs haben wir untersucht, welche Rolle Farbe in verschiedenen Bereichen spielt: im Branding, im Posterdesign, im Kino, in Erklärvideos oder sogar in politischen Kampagnen. Überall wird Farbe bewusst eingesetzt, um Emotionen zu steuern, Aufmerksamkeit zu lenken und Botschaften zu verstärken.

Die Wirkung von Farbe

Besonders spannend fand ich die Diskussion über die Wirkung von Farbe.

Wir haben uns gefragt: Haben Farben feste Eigenschaften, die automatisch bestimmte Gefühle auslösen? Oder ist unsere Reaktion auf Farben etwas, das wir im Laufe unseres Lebens lernen?

Vielleicht ist Rot nicht „von Natur aus“ intensiv oder gefährlich. Vielleicht haben wir gelernt, Rot mit Warnungen, Liebe oder Gefahr zu verbinden. Ebenso verbinden wir Blau oft mit Ruhe oder Vertrauen - aber auch das könnte kulturell geprägt sein.

Diese Frage hat mich besonders interessiert:

Ist Farbe objektiv emotional? oder entsteht ihre Bedeutung erst durch Erfahrung, Kontext und Kultur?

Konzept und Projektidee

Am meisten hat mich die Rolle der Farbe im Film interessiert.

In Filmszenen beeinflusst Farbe direkt die Atmosphäre, die Spannung und unsere Emotionen. Gleichzeitig bietet sie einen enormen kreativen Spielraum. Durch die Kombination verschiedener Farben, durch Licht und Schatten oder durch bewusste Über- und Entsättigung entsteht eine ganz bestimmte Wirkung.

Warme Farben fühlen sich anders an als kalte. Manchmal wird Farbe sogar fast komplett reduziert - bis hin zu Schwarz-Weiß -, um eine bestimmte Stimmung oder Intensität zu erzeugen. Dabei wird deutlich: Farbe ist nicht nur Dekoration, sondern Teil der Erzählung.

Aus diesem Interesse heraus habe ich mich entschieden, mein Projekt auf Filmszenen zu konzentrieren.

Mein Konzept entstand aus einer zentralen Frage:

Wenn wir die Farbe einer Filmszene verändern oder komplett austauschen, verändern sich dann auch Emotion, Bedeutung und Wahrnehmung?

Diese Frage war der Ausgangspunkt für mein experimentelles Video-Essay.

In meinem Film untersuche ich genau diesen Moment der Veränderung. Ich greife bewusst in die Farbgestaltung ein und beobachte, wie sich dadurch die Wirkung einer Szene verschiebt.

Mich interessiert dabei besonders, ob Farbe nur eine Stimmung unterstützt oder ob sie aktiv die Dramaturgie und Bedeutung einer Szene mitgestaltet.

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Elevator Pitch

Mein Projekt ist ein experimentelles Farbdesign im Kino. Ich entwickle alternative Farbwelten für ikonische Filmszenen und untersuche, wie die Zuschauer:innen darauf reagieren. So entsteht ein neuer Blick auf Farbe als aktives Gestaltungstool im Storytelling

Umsetzung und experimenteller Ansatz

Für die Umsetzung meines Projekts habe ich mich bewusst gegen ein klares, festes Statement am Ende entschieden.

Ich wollte keine eindeutige Antwort geben oder eine Position laut vertreten. Stattdessen war es mir wichtig, zu testen, zu experimentieren und Raum für Interpretation zu lassen.

Die zentrale Frage bleibt offen:

Ist Farbe objektiv emotional oder entsteht ihre Bedeutung erst durch Erfahrung, Kontext und Kultur?

Diese Frage soll jede Zuschauerin und jeder Zuschauer für sich selbst beantworten.

Um mein experimentelles Video umzusetzen, habe ich mit vier unterschiedlichen Techniken gearbeitet:

1. Color Manipulation

Hier entwickle ich neue Farbsysteme innerhalb einer Szene. Ich verändere gezielt Farbtöne, verschiebe bestimmte Farbwerte oder färbe einzelne Objekte um. Dadurch entsteht eine neue visuelle Logik. Die Szene bleibt inhaltlich gleich, aber ihre emotionale Wirkung kann sich stark verändern.

2. Monochrom

Bei diesem Effekt reduziere ich eine Szene auf eine einzige Farbe. Alle Elemente bleiben sichtbar, aber sie bewegen sich nur innerhalb verschiedener Helligkeitsstufen dieser einen Farbe. Dadurch entsteht eine starke, fast abstrakte Atmosphäre, die die Wahrnehmung komplett verschiebt.

3. Color Isolation

Hier bleibt nur ein bestimmtes Objekt oder eine Figur farbig, während der Rest der Szene in Schwarz-Weiß erscheint. Diese Technik lenkt den Fokus extrem. Plötzlich bekommt ein einzelnes Detail eine neue Bedeutung und wirkt emotional stärker oder isolierter.

4. Color Removal

In diesem Experiment startet die Szene in voller Farbe. Nach und nach wird die Farbe reduziert, bis nur noch Graustufen übrig bleiben.

Aufbau der Experimente

Für jede ausgewählte Filmszene habe ich mit zwei Ebenen gearbeitet:

In der Experimentierphase wird die Szene mit meiner Farbveränderung gezeigt.

Hier steht die Manipulation im Mittelpunkt.

In der Vergleichsphase werden die Originalszene und meine bearbeitete Version nebeneinander gezeigt.

So wird direkt sichtbar, wie stark sich Wirkung, Stimmung oder Bedeutung verschieben.

Dieser direkte Vergleich macht die Veränderung nicht nur theoretisch, sondern visuell und emotional erfahrbar.

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Technische Umsetzung

Für die Umsetzung meines Projekts habe ich mit Adobe After Effects gearbeitet.

Am Anfang habe ich auch darüber nachgedacht, Programme wie DaVinci Resolve zu benutzen, da sie speziell für Color Grading bekannt sind. Für meine experimentelle Arbeitsweise hat After Effects jedoch vollkommen ausgereicht.

Mir war wichtig, flexibel zu bleiben und direkt mit Ebenen, Effekten und verschiedenen Kombinationen arbeiten zu können.

Verwendete Effekte und Werkzeuge

Um meine Experimente umzusetzen, habe ich vor allem mit folgenden Effekten gearbeitet:

Change to Color

Mit diesem Effekt konnte ich gezielt bestimmte Farben innerhalb einer Szene austauschen. So war es möglich, einzelne Farbtöne zu verändern, ohne die gesamte Szene komplett neu zu graden. Das war besonders wichtig für die Color Manipulation und die Color Isolation.

Lumetri Color

Diesen Effekt habe ich für Farbkorrektur und Color Grading genutzt. Damit konnte ich Helligkeit, Kontrast, Sättigung und Farbstimmung präzise steuern und ganze Szenen atmosphärisch neu gestalten.

Arbeit mit Farbflächen und Blending Modes

Eine große Rolle spielten außerdem einfache farbige Ebenen.

In manchen Szenen habe ich bewusst Farbflächen über das Bild gelegt, um eine neue Farbwelt zu erzeugen.

Dabei habe ich intensiv mit Blending Modes gearbeitet.

Durch verschiedene Ebenenmodi entstanden neue visuelle Effekte und ein eigener Stil. Diese Technik hat mir erlaubt, mit Farbe freier und experimenteller umzugehen, statt nur klassische Farbkorrektur zu betreiben.

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Ein Projekt von

Fachgruppe

Kommunikationsdesign

Art des Projekts

Studienarbeit im zweiten Studienabschnitt

Betreuer_in

foto: Prof. Klaus Dufke

Zugehöriger Workspace

mx20 | Color in Storytelling

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2025 / 2026