In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
Von April 2025 bis September 2025 war ich im Zuge meines Praktikums bei gewerk.
Bei meiner Suche nach einem Praktikum habe ich bald gemerkt, dass ich mich in einer klassischen Agentur eher nicht sehe. Mir wurde klar, dass ich mich eigentlich nicht nur auf klassische Kommunikationsdesign-Projekte beschränken möchte, da für mich das interdisziplinäre Arbeiten am spannendsten ist.
Lange Zeit habe ich nach kleineren, eher gestalterisch geprägten Designbüros gesucht und mich auch überwiegend dort beworben. Irgendwann bin ich dann auf gewerkdesign gestoßen – und da hat es schließlich auch geklappt.
Das Thema Ausstellungsgestaltung hatte ich vorher ehrlich gesagt nicht besonders auf dem Schirm – auch im Studium war es bisher kein zentraler Bestandteil. Umso spannender fand ich es, was gewerk in diesem Bereich macht. Ich war neugierig, mehr über dieses Feld zu erfahren und tiefer einzutauchen.
gewerk ist ein interdisziplinär arbeitendes Gestaltungsbüro mit dem Schwerpunkt auf Ausstellungsdesign. Darüber hinaus ist das Büro auch in den Bereichen Grafik-, Produkt- und Projektdesign tätig.
Gegründet wurde gewerk 1992 von Birgit Schlegel, Stefan Rothert und Jens Imig. Das Büro versteht Gestaltung nicht als isolierte Disziplin, sondern als Ergebnis eines gemeinsamen Prozesses, in dem unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen zusammenwirken.
Dieses Prinzip spiegelt sich auch im Team wider: gewerk vereint rund 18 Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen – darunter Grafik- und Kommunikationsdesign, Szenografie, Innenarchitektur und Projektmanagement. Gerade durch diesen interdisziplinären Austausch entstehen ganzheitliche Gestaltungskonzepte, die komplexe Inhalte verständlich, erfahrbar und ästhetisch überzeugend vermitteln.
Während meiner Zeit bei gewerk konnte ich in ganz unterschiedliche Aufgabenbereiche eintauchen – von grafischer Gestaltung über Recherche bis hin zu Modellbau. Im Folgenden möchte ich exemplarisch einige Aufgabenbereiche beleuchten.
Wettbewerbe – Konzeptentwicklung
Ein zentrales Lernfeld für mich war die Arbeit an Wettbewerben, insbesondere die Konzeptentwicklung. Im Studium hatte ich oft das Gefühl, dass man relativ unstrukturiert an Konzepte herangeht – meist nach dem Prinzip „macht mal“, begleitet von etwas Bildrecherche und einem Moodboard. Eine strukturierte Herangehensweise wurde in meinen bisherigen Kursen kaum vermittelt.
Bei gewerk habe ich nach und nach gelernt, wie wichtig eine fundierte Recherche als Basis für ein tragfähiges Konzept ist – und dass Recherche weit mehr ist als das bloße Sammeln von Inspirationsbildern. Der Einstieg in das Thema, das systematische Durchdringen von Inhalten, das Analysieren von Kontext und Zielgruppen: All das hat mir geholfen, sicherer in die konzeptionelle Arbeit einzusteigen.
Dabei habe ich auch gemerkt, wie hilfreich es ist, analog zu arbeiten – mit ausgedruckten Bildern, Texten und Notizen auf einem physischen Board. Im Vergleich zur rein digitalen Recherche verschafft das einen ganz anderen Überblick über die gesammelten Inhalte und ermöglicht es, Zusammenhänge schneller zu erkennen und Ideen besser zu strukturieren.
Besonders prägend war für mich auch der intensive Austausch im Team. Erst im Dialog – durch unterschiedliche Perspektiven und Impulse – entwickeln sich oft die spannendsten Ideen. Diese Ideen dann zu konkretisieren, in Skizzen oder Visualisierungen umzusetzen und letztlich in eine überzeugende Präsentation zu überführen, war ein Prozess, den ich Schritt für Schritt begleiten konnte. Bei der Planung von Materialien habe ich gelernt, wie wichtig eine strukturierte Herangehensweise ist – besonders bei großen Mengen und hohen Kosten.
Modellbau
Der Modellbau war für mich ein völlig neues Feld. Zunächst habe ich an einem bestehenden Modell weitergearbeitet, das ein Praktikant vor mir begonnen hatte – ergänzt, erweitert und mich dabei nach und nach mit der Arbeit vertraut gemacht. Anfangs hatte ich Berührungsängste, doch schnell habe ich gemerkt, wie meditativ und faszinierend das kleinteilige Arbeiten sein kann.
Besonders reizvoll fand ich die intensive Auseinandersetzung mit Materialitäten, Formen und Farben. Ich habe gelernt, wie wichtig physische Modelle sein können, um ein Konzept wirklich zu durchdringen – und um gestalterische Entscheidungen, die digital entstanden sind, neu zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Im Rahmen eines Online-Shop-Projekts habe ich mich mit Materialien beschäftigt, Produkte zugeschnitten und dazu recherchiert – eine praktische und materialbezogene Arbeit, die mir viel Spaß gemacht hat.
Darüber hinaus konnte ich in viele andere Bereiche Einblick gewinnen: Ich habe Infografiken und Piktogramme gestaltet, am Ausstellungsaufbau mitgewirkt und bestehende Projekte und Ausstellungen fotografisch dokumentiert – im Innen- und Außenraum sowie für Printprodukte.
Außerdem konnte ich im Laufe des Praktikums die verschiedenen Leistungsphasen eines Projekts kennenlernen. Passend zu meinem vorherigen Semester, in dem wir uns in einem Kurs mit fairer Bezahlung im Design beschäftigt haben, konnte ich nun auch die HOAS (Honorarordnung für Szenografen) kennenlernen. Ich habe erlebt, wie gestalterische Leistungen strukturiert und vergütet werden und wie es aussehen kann, wenn man für die eigene Arbeit und Bezahlung gegenüber Auftraggeber*innen einsteht .
Auch abseits der konkreten Projekte konnte ich bei gewerk spannende Einblicke gewinnen.
Bei der Veranstaltungsreihe „gewerk in the garden“ stand dieses Mal das Thema Sound im Raum im Fokus – wie Klang in Ausstellungen eingesetzt werden kann, um Atmosphäre zu erzeugen oder Inhalte zu vermitteln.
Besonders eindrucksvoll war auch die Teilnahme an der Museumsrunde in der Berlinischen Galerie, einer zweitägigen Veranstaltung mit Schwerpunkt auf aktuellen Bauvorhaben im Museumsbereich. Am ersten Tag sprachen vor allem Architektinnen über geplante oder im Bau befindliche Museumsprojekte – etwa das Centre Pompidou in Paris oder ein neues Museum in Leipzig. Dabei war Bauen im Bestand ein zentrales Thema.
Am zweiten Tag folgte eine Führung über die Baustelle des zukünftigen Bauhausmuseums – mit Einblicken in architektonische und behördliche Herausforderungen und deren Lösung. Außerdem habe ich erfahren, dass es das Konzept bzw. die Vorgabe von Kunst am Bau gibt, was ich vorher noch nicht wusste und sehr spannend fand.
Darüber hinaus habe ich viel über Zusammenarbeit mit Museen und Kurator:innen gelernt. Die Inhalte werden von kuratorischer Seite geliefert – oft in großer Fülle. Ich habe gemerkt, dass es oft notwendig ist, das Museum im Prozess davon zu überzeugen, dass weniger (Inhalt, Fakten) manchmal mehr ist, da die Kurator*innen so tief in ihrem Thema stecken, dass sie das dann nicht merken. Auch wenn das gestalterische und szenografische Konzept sehr gut ist, wenn in einem Raum einfach zu viel Inhalt vermittelt werden soll, nimmt man am Ende als besuchende Person, die wahrscheinlich nicht so tief in diesem Thema steckt, trotzdem kaum etwas aus der Ausstellung mit. Das zu realisieren fand ich sehr schade und ernüchternd.
Auch wenn der Anteil an klassischem Kommunikationsdesign in meinem Praktikum nicht so groß war, habe ich ein sehr breit gefächertes Wissen mitgenommen – insbesondere über die Ausstellungsgestaltung allgemein, über räumliche Gestaltung und über interdisziplinäre Arbeitsprozesse.
Ich habe gemerkt, dass genau das die Richtung ist, die mich schon lange interessiert hat, die ich aber bisher nie klar benennen konnte: Die Verbindung von zwei- und dreidimensionaler Gestaltung, die Auseinandersetzung mit Materialität, Farbe und Form – und vor allem mit deren Wirkung im Raum. Im Praktikum habe ich gesehen, wie unterschiedliche Aspekte, die mich begeistern, ich allerdings bisher eher voneinander getrennt gedacht habe, vereint werden können.
Eine große Herausforderung war für mich das tägliche Pendeln zwischen Potsdam und Berlin. Die 2,5 bis 3 Stunden fahrt jeden Tag war auf Dauer schon belastend. Sollte ich mich künftig wieder in einer ähnlichen Situation befinden, weiß ich jetzt, dass für mich eine Mischung aus Homeoffice und Präsenz ideal wäre – und dass ich auf keinen Fall dauerhaft fünf Tage pro Woche so lange pendeln möchte.
Rückblickend hat mir das Praktikum geholfen, ein viel klareres Bild davon zu entwickeln, was ich im weiteren Studium vertiefen möchte – und in welche Richtung ich mir eine berufliche Zukunft vorstellen kann. Vorher hatte ich oft das Gefühl, zwischen verschiedenen Interessen hin- und hergerissen zu sein. Deshalb hatte ich immer wieder die Sorge, dass es vielleicht keinen Bereich gibt, der wirklich zu mir passt. Umso schöner war es, durch das Praktikum eher zufällig auf ein Feld zu stoßen, in dem sich viele meiner Interessen miteinander verbinden lassen können, ich neue entdecke und dieses Feld dann auch etwas ist, das gesellschaftlich sinnvoll ist.