In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
Immer wieder überrascht es mich, wie sehr sich meine aktuelle Gefühlslage bzw. wie ich einem Projekt oder einer Idee gegenüber fühle, in der Umsetzung auswirkt. Vor ein paar Monaten startete ich daher das Selbstexperiment, was passiert, wenn ich mich zurücknehme und das Projekt sprechen und sich “selbst” entwickeln lasse. Klingt abstrakt? In keinem anderen Kurs, als dem von Maria Kleinschmidt ließ sich dieses Experiment in den FH-Kontext bringen. So let's go!
Anfang des Semesters war ich besessen von der Farbkombination Lila/ Orange.
Die Leinwand = Malerkrepp und Nasspapier auf Holzzuschnitt war aufgezogen. Die Grundierung trocknete und auf einem Nebenpapier entstanden die ersten Pinselstriche. Freie Formen, freier Kopf.
Aufgabe // Immer zwei Wort-Gegensätze aus anderen Sinn- und Sinnesbereichen als Farbe und dann das Paar in Grüntönen nachmischen.
ok. Das war nicht ganz einfach. Wie sieht ein Grün aus, das lecker schmeckt? Oder bitter? Und wie bekomme ich es hin, genau diesen Ton im Kopf zu treffen?
Zugegeben: Ich habe dann doch geschummelt. Die Zeit brizzelte irgendwann im Nacken, durch ausgedehnte Mittags- und Kaffeepausen standen erst zwei Grünpaare; was tun? Überproduktion! Statt Paare zu planen, Paare einfach matchen. Sorry!
Die Gruppenspiele am Tagesende waren dafür umso lustiger:
Aus der Vielfalt der Grünpaare:
1. den vorgeschlagenen Wort-Gegensatz zu finden.
2. zu erraten welches Grünpaar sich die Kommilitonen ausgesucht hatten.
Aufgabe // Farbkärtchen 6 x 6 cm, 2 Farben die Dir selbst gefallen und die miteinander für Dein Gefühl gut harmonieren mischen, und von jeder der beiden Farben jeweils 5 Abstufungen Richtung Weiß und 5 Abstufungen Richtung Grau mischen.
Lila/ Orange.
Richtig unangenehm, wie groß der Unterschied zwischen selbstgemischtem Orange und dem Orange aus der Dose war. Natürlich entschied ich mich für die Fertigmischung, weil sie diesen grellen, artifiziellen Touch hatte, den ich wollte.
…auf Basis des eigenen Farbpaars und der Abstufungen.
Und hier steigen wir richtig ein in mein Experiment mit den Gefühlen und der freien Entwicklung: Surfen, Wellen, Himmel. Das waren doch Assoziationen, mit denen ich vibte, und die ich malerisch zum Ausdruck bringen wollte. Das klappte auch gut, bis die geometrischen Formen Dinge mit meinen Wellen und meinem Himmel machten, die ich dann nicht mehr so gut fand: “Auge von Sauron”, “Portal zu einer anderen Galaxie” waren nur einige der Reaktionen der anderen. Auch ich fand die Stimmung des Bildes sehr alien-esk. Und auch die auslaufenden Farbflüße, die ich nachträglich hinzufügte machten es nicht besser. Schlussendlich transformierte ich meine eigene Verwirrung zu dieser Komposition, in dem ich sie zerteilte, teils umdrehte und neu zusammenfügte.
Aber hey, in dieser Zeit habe ich mich tatsächlich viel mit Spiritualität und dem ganzen Krimskrams beschäftigt. Huch;)
Für diese Aufgabe stellte uns Maria ihre eigene farbige Papierauswahl zur Verfügung, um damit Collagen und Experimente durchführen zu können. Wie ehemals Josef Albers in seinen Studien “Interaction of Color„, sollten wir die farbliche Wahrnehmung einer Hauptfarbe durch unterschiedliche Farbumgebungen ändern.
Ich entschied mich mit Licht auseinanderzusetzen. Zuvor hatte ich auf dem LOST Art Festival eine Installation gesehen, die mich nachhaltig beeindruckt hatte: In einem grell pink ausgeleuchtetem Raum hingen Fotografien von landwirtschaftlichen Brachestücken. Das war allerdings nicht die ganze Wahrheit: Irgendwann flackerte das pinke Licht, wechselte nach Weiß und offenbarte so, was wirklich auf den Fotos zu sehen war: Schwer bewachte Staatsgrenzen.
Die Message dahinter war Gold: Durch unsere individuelle Erfahrungen, nehmen wir die Welt nie war wie sie wirklich ist, sondern tragen immer eigene Wissens- und Gefühlsfilter. Was für den einen nicht sichtbar ist, ist für den anderen tägliche Realität usw.
Im Videostudio versuchte ich Teile der Publikation Themroc - Grr Grr - Miam Miam - Glu Glu “verschwinden” zu lassen, indem ich mich durch verschiedenfarbige Folien probierte. Ganz unsichtbar ließen sich die Grafiken leider nicht zaubern, wahrscheinlich hätte ich dazu den exakten Grünton als Folie gebraucht.
Aufgabe // weißen Gegenstand auf seine farbigen Weißtöne hin untersuchen, diese Weißtöne nachmischen.
Gegenstand 1: Kokoschips.
Untertöne: Gelblich / bläulich.
Gegenstand 2: Haargummi.
Untertöne: Gelblich / rosa.
Meine großen Arbeiten fing ich immer gleich an: Ich überlegte mir ein Oberthema, eine Stimmung, die ich mit dem Pinsel aufs Papier übertragen wollte, ließ eine passende Playlist laufen und setzte mit großen, schwungvollen Armbewegungen an. An den dynamisch umgesetzten Pinselstrichen orientierte ich dann die Farbakzente. Ging immer wieder mehrere Schritte zurück, setze mit unterschiedlichen Pinselgrößen neu an. Übermalte zu intensive Bereiche. Intensivierte zu blasse Bereiche. Ebene für Ebene entstand so das fertige Bild. Wirklich fertig war es dann allerdings nie. Jetzt wurde es erst richtig interessant: Dekonstruieren, transformieren, verbinden. Ich mochte es das Wagnis einzugehen scheinbar keine Kontrolle über das Ergebnis zu haben.
Für Gegenstand EINS malte ich stundenlang die unterschiedlichen Farbabgrenzungen mit einem angemischten Mittelblau nach. Die Bereiche, die deutlicher ins Gelb und Blau gingen, umrandete ich mit einem dunkleren Ton.
Wellen, Surfen.
Gegenstand ZWEI teilte ich in unterschiedlich große Bereiche, die ich zerschnitt, um sie zu falten und neu zusammenzufügen. Hier waren die Ebenen im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar. Im Studio vertiefte ich die Strukturen mit Licht und Schatten.
Canyons, zerklüftete Landschaften.
ANSICHTSSACHE
Für das finale Projekt waren Kata Brackemann und ich in der gleichen Mood mithilfe farbigen Lichtes die Eigenwahrnehmung zu verzerren:
An einem dieser unglaublich heißen Tage trafen wir uns im Atelier Unten Links und legten mit gelbem Graffiti los ANSICHTSSACHE zu taggen.
Durch die Experimente der Vorübung angeteasert, lag die die Intention des Projektes darin, durch Änderung der Umgebungsfarbe die eigentliche Farbe „zu ändern“ oder vielmehr: Unsere Wahrnehmung zu ihr.
Alles ist Ansichtssache. Je nach unseren persönlichen Filtern.
Durch Mischen der von uns ausgewählten Farben Grün und Pink gelangten wir zu Weiß, dem ungefilterten Blick auf unsere Aktion.
1 Kommentare
Please login or register to leave feedbackMeiner Ansicht nach ist das superspitzenklasse! :))