1. Projektbeschreibung
Berlin hat eine riesige Kinolandschaft. Neben normalen Kinostarts gibt es 35mm-Vorführungen, Retrospektiven, Filmgespräche, Festivals, restaurierte Fassungen und einmalige Screenings in kleinen Kiezkinos. Gerade für Film-Enthusiast ist das spannend – aber oft schwer zu überblicken.
Viele Informationen sind auf einzelne Kino-Webseiten, Festivalprogramme oder Social-Media-Posts verteilt. Interessante Vorstellungen werden deshalb manchmal erst entdeckt, wenn sie schon vorbei oder ausverkauft sind.
Cine Kiez Radar bündelt besondere Berliner Screenings an einem Ort. Im Mittelpunkt steht nicht nur der Film, sondern die konkrete Vorstellung: Format, Sprache, Kino, Event und Kontext.
Den finalen Prototyp haben wir in Figma entwickelt und als zusammenhängenden App-Flow aufgebaut – vom Entdecken und Filtern bis zum Screening Detail, zur Merkliste und zum Cine-Kreis.
2. Konzept & Dissonanzprofil
Unser Ausgangspunkt war die Frage, was Film-Enthusiast eigentlich von normalen Kinobesucher unterscheidet.
Die Frage lautet nicht immer nur:
„Was läuft heute Abend?“
Sondern eher:
„Welche Fassung läuft?“
„Ist es OmU oder OV?“
„Läuft der Film auf 35mm?“
„Gibt es danach ein Filmgespräch?“
Für unsere Zielgruppe gehört also nicht nur der Film selbst zum Kinoerlebnis. Auch Format, Sprache, Kontext und Kino können entscheidend sein.
Daraus haben sich fünf zentrale Dissonanzen ergeben:
1. „Ich weiß, dass in Berlin ständig spannende Screenings laufen, aber ich finde sie oft erst, wenn es zu spät ist.“
2. „Ich muss mehrere Kino-Webseiten öffnen, um herauszufinden, wo welcher Film wann läuft.“
3. „Ich suche nicht irgendeinen Film, sondern eine bestimmte Art von Kinoerlebnis: OmU, 35mm, Filmgespräch, Festival oder Kiezkino.“
4. „Normale Kinoprogramme zeigen mir Uhrzeiten, aber nicht, warum dieses Screening für mich interessant sein könnte.“
5. „Ich speichere mir Filme und Zeiten irgendwo ab, aber verliere schnell den Überblick.
3. Lösungen
Radar / Entdecken
Auf der Startseite sammelt Cine Kiez Radar besondere Berliner Screenings in einer Übersicht. Kino, Uhrzeit und wichtige Merkmale wie 35mm, OmU, Filmgespräch oder einmalig sind direkt auf den Karten sichtbar.
Über Heute, Diese Woche oder einen eigenen Zeitraum lässt sich die Auswahl schnell eingrenzen. So müssen nicht mehrere Kino-Webseiten parallel durchsucht werden.
Uns war wichtig, nicht einfach eine weitere Liste von Filmen zu bauen. Im Vordergrund steht das konkrete Screening und nicht nur der Filmtitel.
Filter nach Kinoerlebnis
Klassische Genres allein waren für unsere Zielgruppe zu allgemein. Deshalb kann in Cine Kiez Radar auch nach Eigenschaften gesucht werden, die stärker mit dem Kinoerlebnis zusammenhängen.
Screening Detail
Auf der Detailseite stehen natürlich die grundlegenden Informationen wie Kino, Uhrzeit, Sprache und Format.
Dazu kommt aber ein Bereich, der für unser Konzept besonders wichtig ist:
„Warum dieses Screening?“
Hier wird kurz erklärt, was genau diese Vorstellung besonders macht. Das kann eine 35mm-Kopie, ein Filmgespräch, eine restaurierte Fassung oder ein bestimmter Kino-Kontext sein.
Wir wollten damit keine lange Filmkritik schreiben, sondern genau die Information geben, die bei der Entscheidung für oder gegen ein Screening helfen kann.
Merkliste
Interessante Vorstellungen können direkt gespeichert werden.
Statt Screenshots zu machen, Browser-Tabs offen zu lassen oder Termine irgendwo in den Notizen abzulegen, bleiben die Screenings mit Kino, Uhrzeit und Tags an einem Ort.
Die Merkliste ist bewusst einfach gehalten. Sie soll vor allem helfen, später schnell wiederzufinden, was man sich anschauen wollte.
Cine-Kreis
Kino ist für viele Film-Enthusiast auch ein soziales Erlebnis. Gleichzeitig wollten wir Cine Kiez Radar nicht zu einer weiteren klassischen Social-Media-App machen.
Dafür haben wir den Cine-Kreis entwickelt.
Hier können Personen mit ähnlichen Interessen gefunden und zum eigenen Kreis hinzugefügt werden. Statt Followerzahlen oder öffentlichen Posts stehen gemeinsame Kinointeressen im Vordergrund.
Auf einer Screening-Seite kann außerdem sichtbar sein, ob jemand aus dem eigenen Cine-Kreis ebenfalls Interesse an der Vorstellung hat.
Wer könnte da sein?
Statt anzuzeigen, dass sich hunderte anonyme Personen für einen Film interessieren, zeigt Cine Kiez Radar einen kleineren persönlichen Kontext.,
„Mara und drei Personen aus deinem Cine-Kreis könnten da sein.“
Dazu gibt es kleine Reaktionen wie „Ich auch“, „Gute Wahl“ oder „Danach reden?“.
Das soziale Feature soll dadurch eher einen echten Kinobesuch unterstützen, als selbst zum Hauptinhalt der App zu werden.
Handys schütteln
Mit der Funktion „Handys schütteln“ können sich zwei Personen, die gerade zusammen sind, direkt miteinander verbinden und zum Cine-Kreis hinzufügen.
Die Idee dahinter war, eine digitale Funktion mit einer echten Begegnung zu verbinden:
Wir haben uns gerade im Kino getroffen – lass uns verbunden bleiben.
Das fanden wir passender zu unserem Konzept als ein klassisches Follow-System.
Ticket-Verlinkung
Cine Kiez Radar verkauft selbst keine Tickets.
Von der Screening-Seite führt ein Link direkt zur Ticketseite des jeweiligen Kinos. Einen eigenen Checkout haben wir bewusst nicht entwickelt, weil unser eigentliches Problem nicht der Ticketkauf war.
4. Nebenaspekte & verworfene Ansätze
- Kein klassischer Social Feed
Für den Community-Bereich hatten wir zuerst auch an klassische Social-Media-Funktionen gedacht. Posts, Likes und Follower fanden wir für Cine Kiez Radar aber zu dominant.
Der Cine-Kreis soll vor allem dabei helfen, gemeinsame Kinointeressen und mögliche Kinobesuche sichtbar zu machen. Deshalb haben wir den sozialen Teil bewusst reduziert.
- Keine Black-Box-Empfehlungen
Einen komplett algorithmischen Empfehlungsfeed wollten wir ebenfalls nicht.
Statt einfach „Das könnte dir gefallen“ anzuzeigen, arbeiten wir mit sichtbaren Filtern, Tags und dem Bereich „Warum dieses Screening?“.
So bleibt nachvollziehbar, warum eine Vorstellung interessant sein könnte.
- Kein eigener Ticketshop
Cine Kiez Radar verkauft keine Tickets, sondern verlinkt direkt zu den jeweiligen Kinoseiten.
- Feedback nach dem Screening
Als zusätzliche Idee haben wir einen Feedback-Screen gestaltet. Statt einer einfachen Sternebewertung kann ein Kinoabend nach Film, Event, Kino-Ort oder Stimmung reflektiert werden.
Diese Funktion war keine zentrale Dissonanz und bleibt deshalb eher eine mögliche Weiterentwicklung.
Fazit
Im Laufe des Projekts wurde für uns vor allem klar, dass Film-Enthusiast andere Informationen brauchen als ein normaler Kinokalender bietet.
Nicht nur welcher Film, sondern auch:
welche Fassung, welches Format, welcher Kontext und welches Kino.
Cine Kiez Radar versucht, genau diese Informationen sichtbar zu machen und dabei möglichst nah an der eigentlichen Kinoerfahrung zu bleiben.