01/Workshop mit Sascia Reibel von Studio Shortnotice

Den Auftakt des Seminars bildete ein zweiwöchiger Workshop mit Sascia Reibel vom Studio Shortnotice. Alle Teilnehmenden starteten unter den selben Voraussetzungen: Es wurde mit einer festgelegten Schrift, einem Kreis, einem Rechteck und einer identischen Zeitvorgabe gearbeitet. Im Mittelpunkt stand das experimentelle Gestalten und die Erkenntnis, dass aus den gleichen Grundlagen ganz unterschiedliche Ergebnisse entstehen können.

Zu Beginn wurden in kurzen Fünf-Minuten-Intervallen insgesamt 30 Plakatentwürfe entwickelt. Die knappe Zeit förderte einen intuitiven Arbeitsprozess und ermutigte dazu, Ideen ganz intuitiv festzuhalten, anstatt sie lange auszuarbeiten.

Im weiteren Verlauf wurden die eigenen Entwürfe mit zufällig ausgewählten Ausschnitten aus den Arbeiten der Kommiliton:innen kombiniert. Die daraus entstandenen neuen Bildkonstellationen eröffneten ungewohnte Perspektiven und dienten als Grundlage für die nächste Gestaltungsphase.

Zum Abschluss wurde das zuvor reduzierte Gestaltungssystem um Farbe sowie ein frei gewähltes Bild oder Objekt ergänzt. Dadurch entwickelten sich die Entwürfe schrittweise zu eigenständigen und vielschichtigen Kompositionen.

02/Entwurfsphase

Zu Beginn der Entwurfsphase beschäftigten wir uns mit bereits entstandenen Projekten und analysierten unterschiedliche gestalterische Herangehensweisen. Dabei wurde deutlich, wie vielfältig die Ergebnisse sein können und dass manche Konzepte in ihrer Umsetzung stärker funktionierten als andere.

Für meine eigene Arbeit entwickelte ich zunächst verschiedene Ideen. Mir war wichtig, nicht nur eine starke visuelle Ebene zu schaffen, sondern auch ein Konzept mit einem klaren Bezug zur Hochschule zu entwickeln. Aus einem anderen Kurs hatte ich bereits mit dem Werkzeug des Handscanners gearbeitet und fand besonders die ungewöhnliche Handhabung und die daraus entstehenden zufälligen Ergebnisse spannend. Schnell wurde deutlich, dass sich dieses Medium gut eignet, um den Charakter der Hochschule einzufangen.

Durch bewusst zu schnelles oder zu langsames Scannen sowie das Bewegen von Objekten während des Scanvorgangs entstanden Verzerrungen und eine wilde, ungeplante Bildsprache. Diese erinnerte an das Studentenleben selbst: improvisiert, individuell und geprägt von Spuren, die sich im Hochschulalltag ansammeln. Daraus entwickelte sich die Idee, die verborgene visuelle Kultur der Hochschule sichtbar zu machen.

 Nach dem Feedback von Susanne, Ronny und dem Kurs entschied ich mich schließlich, diese Sticker-Idee weiterzuverfolgen und begann, die Sticker direkt in der Hochschule mit dem Handscanner einzufangen...

03/Konzeptphase

Nachdem ich gefühlt die gesamte Hochschule nach Stickern abgescannt hatte, begann die Zusammenstellung der einzelnen Gestaltungselemente. Die gesammelten Sticker bildeten eine visuelle Grundlage, jedoch fehlten noch die relevanten Informationen und Key Facts zur Werkschau. Dafür entwickelte ich eigene Sticker, die ich ebenfalls einscannte und anschließend als hervorgehobene Elemente in den Vordergrund des Plakats integrierte.

Während die gefundenen Hochschul-Sticker als Hintergrundebene dienten, sollten die wichtigsten Informationen klar sichtbar hervortreten. Für den Hintergrund experimentierte ich zunächst mit verschiedenen farbigen Verläufen, entschied mich letztendlich aber für eine authentische Hochschulwand, die ich fotografierte. Die raue, gebrauchte Oberfläche dieser Wand verstärkte die Wirkung der Sticker und verlieh der Gestaltung eine noch stärkere Verbindung zum Ort.

Besonders spannend war für mich der Prozess, aus vielen einzelnen Fragmenten eine zusammenhängende Komposition zu entwickeln. Durch die collageartige Arbeitsweise entstand ein Plakat, das ohne klassische, digital gesetzte Typografie auskommt und stattdessen über gescannte Elemente, Spuren und visuelle Ebenen kommuniziert.

04/Finale Ausarbeitung:

Mein finales Konzept basiert auf einer collageartigen Interpretation des Handscanners als gestalterisches Werkzeug. Die entstandenen Scan-Fragmente fangen den Charakter der Hochschule ein und machen ihre individuellen Spuren und Besonderheiten sichtbar. Die Gestaltung lädt dazu ein, die einzelnen Elemente zu entdecken und sich mit dem visuellen Umfeld der Werkschau und Hochschule auseinanderzusetzen.

Trotz der Vielzahl an Bildern und Informationen entsteht durch eine klare Hierarchie eine gute Orientierung innerhalb der Gestaltung. Das Konzept wurde nicht nur auf das Plakat angewendet, sondern zieht sich als visuelle Sprache durch weitere Anwendungen wie Raumplan, Raumkarten und Stickerbögen und schafft so eine zusammenhängende Identität für die gesamte Werkschau.

- Plakat

- Raumplan

- Außenfassade

- Raumkarten

- Stickerset

- Animation

05/Fazit

Ich habe den Werkschau Kurs gewählt, da ich die Auseinandersetzung mit der Identität der eigenen Hochschule sehr spannend fand. Hierbei wollte ich mich noch einmal intensiv mit einem freien und experimentellen Gestaltungsprozess befassen und dabei eine Plakatidee entwickeln, die nicht nur visuell funktioniert, sondern auch einen inhaltlichen Bezug zur Hochschule herstellt. Besonders wichtig war mir, eine Identität zu entwickeln, die den Charakter des Fachbereichs einfängt und die Werkschau nicht nur ankündigt, sondern einen Einblick in den Ort und das studentische Leben gibt.

Die Arbeit mit dem Handscanner war für mich dabei besonders spannend, da das Werkzeug einen sehr offenen und unvorhersehbaren Prozess ermöglicht. Durch unterschiedliche Geschwindigkeiten beim Scannen oder das Bewegen von Objekten während des Vorgangs entstanden zufällige Verzerrungen und individuelle Bildfragmente. Gerade diese unkontrollierbaren Ergebnisse wurden zu einem wichtigen Bestandteil der Gestaltung und spiegelten für mich die spontane, persönliche und manchmal chaotische visuelle Kultur einer Hochschule wider.

Viele gestalterische Entscheidungen entwickelten sich erst während des Prozesses. Das Experimentieren mit dem Medium ermöglichte eine stärkere Auseinandersetzung mit der neuen Formgebung des Handscanners und das dadurch genaue Beobachten der Umgebung. Dabei wurde deutlich, wie viel Gestaltungspotenzial in alltäglichen, oft vielleicht übersehenen Elementen steckt.

Besonders spannend war für mich die Herausforderung, aus vielen einzelnen gescannten Fragmenten eine klare visuelle Sprache zu entwickeln. Trotz der collageartigen und lebendigen Gestaltung musste eine gute Hierarchie entstehen, damit die wichtigen Informationen zur Werkschau verständlich bleiben. Die Übertragung des Konzepts auf weitere Medien wie Raumplan, Raumkarten und Stickerbögen hat gezeigt, dass sich die entwickelte Bildsprache vielseitig einsetzen lässt.

Insgesamt hat mir der Kurs viel Freude bereitet, da ich frei experimentieren und gleichzeitig meine Fähigkeiten im Bereich der Plakatgestaltung weiterentwickeln konnte. Die Verbindung aus konzeptioneller Arbeit, analogem Werkzeug und digitaler Zusammenführung der einzelnen Elemente war für mich besonders wertvoll und hat mir gezeigt, wie spannend es sein kann, ungeplante Ergebnisse als Ausgangspunkt für Gestaltung zu nutzen.