Konzept Idee
Zu Beginn des Kurses wurden im Rahmen der Auseinandersetzung mit Schriftsystemen und Codierung verschiedenste Schriftsysteme, Kryptogramme und Codes recherchiert. Bei der Recherche zu Morsecode bin ich im Buch Humanity: An Introduction to Cultural Anthropology von Garrick Bailey und James Peoples auf einen Ausschnitt des Linguisten Charles Hockett gestoßen, der die Unterschiede zwischen menschlichen und anderen Kommunikationssystemen beschreibt. Fünf seiner Merkmale – Discreteness, Productivity, Arbitrariness, Displacement und Multimedia Potential werden als besonders wichtig dargestellt und grenzen die menschliche Kommunikation zu anderen Formen ab.
Umsetzung Animationen
Für die Umsetzung dieser Störungen und Manipulationen fiel meine Wahl auf TouchDesigner. Die node-basierte, visuelle Programmierumgebung eignet sich besonders gut für die Verarbeitung und Verzerrung von Bild und Ton in Echtzeit und ermöglicht ein sehr direktes, experimentelles Arbeiten – Parameter wie Noise, Displacement oder Feedback lassen sich unmittelbar verändern und ihre Wirkung sofort beobachten. Gerade für einen Prozess, der stark vom Ausprobieren und Reagieren lebt, war diese Unmittelbarkeit entscheidend. Außerdem konnten von visuellen und auditiven Signalen innerhalb derselben Umgebung aufeinander wirken.
Umsetzung Siebdruck
Um weitere Zwischenschritte und Ergebnisse der Manipulationen festzuhalten, habe ich zusätzlich zum Video 12 Motive für eine analoge Publikation ausgewählt und diese im Siebdruckverfahren umgesetzt. Sechs der zwölf Motive nehmen direkten Bezug auf den Ausgangstext und zeigen die fünf Abgrenzungsmerkmale menschlicher Kommunikation nach Hockett. Diese Definitionen waren mir wichtig, um den theoretischen Hintergrund der Arbeit auch visuell zugänglich zu machen.
Für die Umsetzung entschied ich mich für rauen, schwarzen Karton und weiße Farbe. Die reduzierte Schwarz-Weiß-Ästhetik greift dabei bewusst die Formensprache der digitalen Animationen auf. Auch das Format wurde an die digitale Arbeit angeglichen: Mit 29 × 29 cm bleibt das quadratische Seitenverhältnis des Videos erhalten.
Reflexion
Die Offenheit des Kurses in Bezug auf Medienwahl und Umsetzung habe ich als sehr bereichernd empfunden. Die verschiedenen Schriftsysteme und Kryptogramme, die im Kurs zusammengetragen wurden, fand ich interessant und dieser gemeinsam entstandene Fundus ist meiner Meinung nach sehr wertvoll. Mein persönlicher Fokus lag dabei vor allem darauf, TouchDesigner zu erlernen der Kurs bot den perfekten Rahmen, um mich intensiv mit dem Programm auseinanderzusetzen.
Der Einstieg war teilweise frustrierend, da ich zuvor noch nie mit einer node-basierten Programmierumgebung gearbeitet hatte und nicht auf vorhandene Erfahrungswerte zurückgreifen konnte. Sobald man jedoch ein grundlegendes Verständnis entwickelt hat, macht die Arbeit damit sehr viel Spaß und eröffnet enorme Möglichkeiten zum Experimentieren. Der experimentelle Ansatz meiner Arbeit selbst war für mich neu, ich kann mir aber gut vorstellen, in Zukunft öfter auf diese Weise zu arbeiten und visuelle Experimente stärker in meine Projekte einzubinden.
Ebenso wichtig war mir die analoge Publikation der Prints. Sie rundet das Projekt ab und gibt der digitalen Arbeit ein greifbares, physisches Gesicht.