Abstract DE
Der soziokulturelle Megatrend, mit dem eigenen Körper unzufrieden zu sein, hat auch vor dem weiblichen* Genital nicht Halt gemacht. Weltweit steigen die Eingriffe im Genitalbereich – nicht aus medizinischen Gründen, sondern weil immer mehr Frauen* das Gefühl haben, ihre Vulva sei „abnormal“.
Auch in Deutschland steigen die Zahlen der freiwilligen Labienplastiken. 2025 waren Intimoperationen bei den unter 30-Jährigen mit 11,8 % auf dem dritten Platz der Behandlungsstatistik – im Vorjahr waren es nur 7,1 %. Dieses Phänomen betrifft nicht nur erwachsene Frauen*: Unsicherheiten im Genitalbereich können schon im Grundschulalter entstehen – das berichten Ärztinnen* aus Großbritannien.
Woher kommen diese Vorstellungen von einer „normalen„ Vulva?
Wodurch entstehen Unsicherheiten und das Gefühl, abnormal zu sein?
Wann und wo verankern sich diese Ideale, von denen sogar schon Mädchen* im Grundschulalter betroffen sein können?
Der erste Abschnitt dieser Arbeit versucht, auf Basis von Interviews mit jungen Frauen*, Lehrerinnen* und sexualpädagogischen Expertinnen* die Probleme hinter genitalen Idealen und ihre vielschichtigen Ursprünge zu verstehen.
Der zweite Abschnitt ermittelt eine Zielgruppe und analysiert, welche Chancen und Hürden in den verschiedenen Bereichen der sexuellen Bildung liegen. Die Schule wird als geeigneter Anknüpfungspunkt für eine gestalterische Lösung genauer untersucht.
Der dritte Abschnitt mündet in der Entwicklung des gestalterischen Konzeptes. „Das Vulva Museum“ ist ein spielerisches, altersgerechtes Workshop-Konzept für Mädchen* in der Grundschule, welches konzipiert, gestaltet und in mehreren Durchläufen an Schulen getestet wurde. Ziel war es, Wissenslücken früh zu füllen, bevor sich Unsicherheiten überhaupt bilden – und junge Mädchen* in ihrer Entwicklung zu empowern.
Abstract EN
The sociocultural trend of being dissatisfied with one’s body has not stopped at the female* genitalia. Around the world, genital surgeries are on the rise – not for medical reasons, but because more and more women* feel like their vulva is somehow 'abnormal.'
2025, Germany: Labiaplasties ranked third among the most common procedures for women* under 30. Rooted in insecurities, these ideals do not only affect grown women. Doctors in the UK have reported girls as young as 9, who report being distressed by the appearance of their genitals.
Where do these ideals of a „normal“ vulva come from?
What causes insecurities and the feeling of being abnormal?
And when do these ideals start to create norms – that may already affect young girls* in primary school?
The first section of this thesis attempts to understand the problems behind these ideals and their complex origins, by conducting interviews with young women*, teachers*, and sexologists*.
The second section zooms in on a target group, and looks at the opportunities and challenges within different areas of sex education. Schools are then examined more closely as a potential starting point for a design solution.
The third section brings it all together as a design concept: 'Das Vulva Museum' – a playful, age-appropriate workshop for girls* in primary school, that was developed, designed, and tested on multiple occasions at real schools. The goal is to address knowledge gaps early on, before insecurities have a chance to develop, and to empower young girls in their development.
🧡 Bacherlorarbeit
Praxis: Das Vulva Museum
Das Vulva Museum ist ein interaktives, 90-minütiges Workshop Konzept, welches sich an geschlechtergetrennte Mädchengruppen* in der Grundschule (meist 3.–4. Klasse) richtet.
Konzipiert wie ein interaktives Buch, begleiten Illustrationen, Übungen und eine Vorlesegeschichte drei fiktive Kinder bei ihrem Ausflug in das Vulva Museum. Dort gehen sie durch die verschiedenen Ausstellungsräume, in welchen Anatomie, Diversität und Körperautonomie spielerisch thematisiert werden.
Illustrationen
Material
Workshop Einblicke