„Der Dialekt erlaubt keine eigene Sprache, aber eine eigene Stimme.“
– Hugo von Hofmannsthal

Abstract Deutsch

Sächsische Dialekte werden im deutschsprachigen Raum regelmäßig als unbeliebteste Mundarten bewertet und sind eng mit negativen Stereotypen verknüpft—von DDR-Nostalgie über Provinzialität bis hin zu Rechtsextremismus. Diese Zuschreibungen prägen nicht nur die Fremdwahrnehmung, sondern beeinflussen auch das Selbstbild der Sprecher*innen, die ihren Dialekt im öffentlichen und beruflichen Raum häufig ablegen.

Die vorliegende Masterarbeit untersucht, welche Bedeutung sächsische Dialekte für die Generation Z haben, wie sie von medialen Narrativen beeinflusst werden und mit welchen gestalterischen Mitteln Gegennarrative sichtbar gemacht werden können. Methodisch verbindet die Arbeit einen autoethnografischen Zugang mit Fachliteratur, Experteninterviews sowie einer qualitativen Umfrage in Form von Sprachnachrichten von 16 in Sachsen sozialisierten Personen der Generation Z.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Bezug zum Dialekt sehr individuell und ambivalent ist: Während viele ihn mit Zugehörigkeit, Kindheitserinnerungen und vertrauten Menschen verbinden, empfinden andere ihn als stumpf, unschön oder schlicht als selbstverständlichen Teil ihrer Sprachbiografie. Gleichzeitig beschreiben viele einen situationsabhängigen Wechsel zwischen Dialekt und Standarddeutsch, der durch Stigmatisierungserfahrungen geprägt ist.

Den dominanten negativen Narrativen einer überwiegend westdeutsch geprägten Medienlandschaft setzt die Arbeit eine digitale Publikation entgegen: eine audiovisuelle Sammlung persönlicher Geschichten, die jungen Stimmen Raum gibt und Sächsisch jenseits gängiger Stereotype erfahrbar macht. Die Gestaltung versteht sich selbst als Teil dieses Gegennarrativs—abseits von Imagekampagnen und Klischeedarstellungen. Ziel ist es, dass sich sächsisch sprechende Menschen der Generation Z positiv repräsentiert fühlen und Außenstehende Sächsisch neu begegnen: als lebendiger Ausdruck vielschichtiger Persönlichkeiten.

Abstract English

Saxon dialects are regularly ranked as the least popular dialects in German-speaking regions and are closely associated with negative stereotypes—ranging from nostalgia for the GDR to provincialism and right-wing extremism. These attributions not only shape how others perceive them, but also influence the self-image of the speakers, who often avoid using their dialect in public and professional settings.

This master’s thesis examines the significance of Saxon dialects for Generation Z, how they are influenced by media narratives, and the creative means by which counter-narratives can be made visible. Methodologically, the thesis combines an autoethnographic approach with academic literature, expert interviews and a qualitative survey in the form of voice messages from 16 members of Generation Z who grew up in Saxony.

The findings show that people’s relationship with dialect is highly individual and ambivalent: whilst many associate it with a sense of belonging, childhood memories and loved ones, others perceive it as dull, unattractive or simply as a natural part of their linguistic background. At the same time, many describe a situation-dependent shift between dialect and Standard German, which is shaped by experiences of stigmatisation.

This project counters the dominant negative narratives of a media landscape predominantly shaped by West Germany with a digital publication: an audiovisual collection of personal stories that gives space to young voices and allows Saxon to be experienced beyond common stereotypes. The design sees itself as part of this counter-narrative—setting itself apart from image campaigns and clichéd portrayals. The aim is for Saxon-speaking members of Generation Z to feel positively represented and for outsiders to encounter Saxon in a new light: as a living expression of multi-faceted personalities.

Gugge ma rein

Der theoretische Teil nähert sich dem Thema schrittweise aus verschiedenen Perspektiven. Ausgangspunkt bildet eine Einführung in den sächsischen Dialekt sowie die allgemeine Bedeutung von Dialekten, ihre gesellschaftliche Bewertung und die mediale Wahrnehmung Ostdeutschlands und Sachsens, einschließlich der damit verbundenen Sprechweisen und Zuschreibungen.

Darüber hinaus werden die eingesetzten Methoden und ihre Durchführung dokumentiert: Dazu zählen Expert*inneninterviews mit der Autorin Grit Lemke (Kinder von Hoy) und Michelle Tredup von der Initiative k_einheit sowie eine Umfrage unter Personen aus meinem persönlichen Umfeld zu deren Verhältnis zu Dialekten.

Abschließend werden die Konzeptentwicklung, gestalterische Entscheidungen und erste Entwürfe für die digitale Publikation vorgestellt.

Glick ma druff

Work in Progress: Hier wird bald der finale Entwurf der digitalen Publikation und der Link zur Webseite platziert.