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Abstract DE

Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie visuell-erzählerische Methoden dazu beitragen können, alltägliche Caring Practices zwischen Mensch und Natur sichtbar zu machen und einen Perspektivwechsel hin zu einer kollektiven, mehr-als-menschlichen Fürsorge anzuregen. Ausgangspunkt der Arbeit ist die Beobachtung, dass die gegenwärtigen ökologischen Krisen nicht nur auf technische oder politische Herausforderungen verweisen, sondern auch auf eine tiefgreifende kulturelle, psychische und emotionale Entfremdung zwischen Mensch und Natur. Gleichzeitig bleiben viele Formen ökologischer Fürsorge im Alltag unsichtbar und werden gesellschaftlich kaum wahrgenommen oder wertgeschätzt.

Im theoretischen Teil werden Ansätze aus den More-than-Human Konzepten, feministischen Care-Theorien sowie Konzepten ökologischer Fürsorge miteinander in Beziehung gesetzt. Dabei wird untersucht, wie Perspektiven von Denkerinnen und Wissenschaftlerinnen wie Donna Haraway, Maria Puig de la Bellacasa oder Joan Tronto dazu beitragen können, Mensch-Natur-Beziehungen als wechselseitige und fürsorgliche Beziehungen neu zu verstehen.

Die praktische Forschung erfolgt in Form einer fokussierten ethnografischen Feldforschung auf einem Mehrgenerationenhof im ländlichen Raum. Durch teilnehmende Beobachtung, Gespräche, Fotografien, Zeichnungen und die Dokumentation alltäglicher Tätigkeiten werden Caring Practices zwischen Menschen, Pflanzen und Landschaften untersucht. Im Mittelpunkt stehen dabei die Geschichten, Erinnerungen und Beziehungen, die sich in einem Gemüsefeld, einem selbst aufgeforsteten Wäldchen und den Bäumen des Hofes manifestieren.

Die Arbeit zeigt, dass Fürsorge nicht als einzelne Handlung verstanden werden kann, sondern als komplexes Netz gegenseitiger Abhängigkeiten, Verantwortlichkeiten und Beziehungen. 

Auf Grundlage dieser Erkenntnisse wird eine visuell-erzählerische Publikation entwickelt, die theoretische Perspektiven, ethnografische Beobachtungen und persönliche Geschichten miteinander verbindet. Ziel des gestalterischen Projekts ist es, die psychologische Distanz zur Natur zu verringern, Empathie und Aufmerksamkeit für mehr-als-menschliche Lebenswelten zu fördern und neue Vorstellungen einer fürsorglichen Zukunft zwischen Mensch und Natur erfahrbar zu machen.

Abstract ENG

This bachelor’s thesis explores how visual-narrative methods can help make everyday caring practices between humans and nature visible and encourage a shift in perspective toward a collective, more-than-human form of care. The starting point of this thesis is the observation that current ecological crises point not only to technical or political challenges, but also to a profound cultural, psychological and emotional alienation between humans and nature. At the same time, many forms of ecological care remain invisible in everyday life and are scarcely perceived or valued by society.

In the theoretical section, approaches from more-than-human concepts, feminist care theories, and concepts of ecological care are brought into relation with one another. The study examines how feminist perspectives from thinkers and scholars such as Donna Haraway, Maria Puig de la Bellacasa, and Joan Tronto can contribute to a new understanding of human-nature relationships as reciprocal and caring relationships.

The practical research takes the form of focused ethnographic fieldwork on a multigenerational farm in a rural area. Through participant observation, interviews, photographs, drawings, and the documentation of everyday activities, the study examines caring practices among people, plants, and landscapes. The focus is on the stories, memories, and relationships that manifest themselves in a vegetable patch, a self-reforested grove, and the trees on the farm.

The work demonstrates that care cannot be understood as a single act, but rather as a complex network of interdependencies, responsibilities, and relationships. The practices examined illustrate how knowledge, memory, emotion, and physical labor interact to foster a long-term connection with the more-than-human environment.

Based on these findings, a visual-narrative publication is being developed that combines theoretical perspectives, ethnographic observations, and personal stories. The aim of the design project is to reduce psychological distance from nature, foster empathy and attention toward non-human living worlds, and make new visions of a caring future between humans and nature tangible.

“Only if we understand, can we care. Only if we care, we will help. Only if we help, we shall be saved.” — Jane Goodall

𓆸་༘ Thesis

𓇢𓆸 Die Theoriearbeit PDF findet ihr bei Zusätzliches Material 𓇢𓆸

𓆸་༘ Feldstudie

Um zu verstehen, welche Rollen und Bedeutungen die Natur im Leben von Menschen hat, die eng mit der Natur leben und arbeiten, untersuchte ich den Selbstversorger- und Mehrgenerationshof meiner Familie. Dort beobachtete und dokumentierte ich, welche Veränderungen sie in ihren Landschaften wahrnehmen und wie ökologische Fürsorge dort konkret über Generationen gelebt wird. Um in diese alltäglichen Beziehungsgeflechte einzutauchen und diese zu dokumentieren, nutzte ich die Methode der fokussierten ethnografischen Feldforschung.

𓆸་༘ Entwurf

Was bedeutet es, einen Ort nicht nur zu betreten, sondern ihm zuzuhören?

Das Entwurfsprojekt 𓇢𓆸Die Sprache der Landschaft – Ein erzählerischer Spaziergang𓇢𓆸  untersucht die Verbindung zwischen Mensch und Natur und erforscht unsere Verflechtungen mit der Natur anhand unterschiedlicher emotional-poetischer Textformen. 

Ausgehend von ökologisch-feministischer Perspektive versteht die Publikation Natur nicht als Gegenüber, das betrachtet oder verwaltet wird, sondern als ein Geflecht von Beziehungen, in dem Menschen, Pflanzen, Tiere, Pilze, Wasser und Boden miteinander verbunden sind. Aufmerksamkeit wird dabei zu einer Form der Fürsorge.

Die Publikation versammeln Essays, Gespräche, Fotografien und verschiedene Formen literarische Texte. Gemeinsam zeichnen sie einen Spaziergang über die Landschaft des Hofes nach, dessen Geschichten sich nicht linear erzählen lassen. Stattdessen entfalten sie sich wie ein Garten: verzweigt, wiederkehrend, manchmal unscheinbar und oft erst auf den zweiten Blick miteinander verbunden. Jedes Kapitel beleuchtet einen anderen Aspekt des Zusammenlebens von Menschen und Pflanzen auf dem Land und macht ökologische Fürsorgebeziehungen durch unterschiedliche narrative und gestalterische Formen erfahrbar.

Die Kapitel orientieren sich an den pflanzlichen Prozessen der Landschaft Verflechten, Verwandeln, Treiben, Wachsen und Nähren. Dieser erzählerischer Spaziergang läd dazu ein einen wilden Garten aus Worten, Bildern, Erinnerungen, Texturen und Beziehungen zu erkunden und seine Früchte in Ruhe in sich reifen zu lassen.

“Es ist von Gewicht, welche Geschichten Welten machen und welche Welten Geschichten machen” — Donna J. Haraway

Wie bei einem Spaziergang durch die Landschaft folgt man Wegzeichen, die zu verschiedenen Orten des Hofes führen wie Gemüsefeld, der Apfelplantage oder in das Wäldchen.

Die Kapitelsymbole sind aus Pflanzenstrukturen entwickelt, die während der Feldstudie in verschiedenen Pflanzen-Workshops entstanden sind. Sie tauchen im gesamten Buch immer wieder auf und dienen als wiederkehrende Orientierungspunkte.

Werkschau PDF

Die Vorstellung meines gestalterischen Profils sowie eine Auswahl meiner Arbeiten, die im Studium sowie außerhalb entstanden sind, zeige ich in Form eines PDF-Portfolios.

Reflexion

Im Entstehungsprozess dieser Arbeit habe ich viel über die komplexen Verflechtungen von Care gelernt und gemerkt, wie sehr mich diese Vielschichtigkeit mental fordert. Obwohl ich mich schon länger mit feministischen Theorien und Umweltthemen beschäftige, empfand ich das Brückenschlagen zwischen den unterschiedlichen theoretischen Perspektiven als sehr anspruchsvoll. Phasenweise fiel es mir schwer, die Weite und Abstraktheit dieser ethischen Denkweisen zugänglich und greifbar zu übersetzen. Entsprechend brauchte es lange Zeit, bis ich von der theoretischen in eine praktische gestalterische Auseinandersetzung übergehen konnte.

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Die Feldforschung in meiner sehr persönlichen Umgebung des Hofes war auf unterschiedlichen Ebenen sehr lehrreich und bereichernd, mitunter aber auch herausfordernd. Ich hatte oft Sorge, nicht genügend analytische Distanz wahren zu können. Daher habe ich bewusst versucht, die Abhängigkeiten der Care-Praktiken kritisch zu betrachten und eine reflektierte Haltung in meinen Beobachtungen einzunehmen.

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Im Verlauf der Arbeit, zum Ende meines Studiums, wurde mir erneut klar, wie wichtig mir meine eigene Position innerhalb der Gestaltung ist. Diese gibt mir Orientierung, auch um künftig bewusste Entscheidungen in meiner verantwortungsvollen Rolle als (Mit)Gestalterin unserer Zukunft zu treffen. Die Beschäftigung mit zentralen Themen unserer Zeit war für mich sehr bereichernd und ich spüre, wie ich als Mensch und als Gestalterin an dieser Auseinandersetzung gewachsen bin.

Danke liebe FH für diese wundervollen 10 Semester!

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