Ideenfindung

Anfangs habe ich mich sehr schwer getan, einen Ort zu finden, der wirklich als Transitort oder als Nicht-Ort zu sehen ist und der mich gleichzeitig wirklich interessiert und motiviert. Einige Orte warf ich also wieder, bis mir das Parkhaus einfiel. Der absolute Nicht-Ort für mich. Als Person, die keinen Führerschein besitzt, verbringe ich dort wirklich sehr wenig Zeit und wenn es dazu kommt, dann ist man so schnell wieder draußen, wie man reingekommen ist.

Zunächst schaute ich mir verschiedene Parkhäuser in meiner Umgebung an. Für mich stand fest, dass ich mich gerne fotografisch an das Projekt heranwagen möchte. Nach einigen Besuchen entschied ich mich dann für das Parkhaus am Gleisdreieck. Dort verbrachte ich einsame Stunden und fotografierte.

Um dem theoretischen Anspruch des Kurses gerecht zu werden, sollten wir auch Literatur zu unserem Ort finden. Ich stieß auf das Buch „Übersehene Räume: Zur Kulturgeschichte und Heterotopologie des Parkhauses“ von Jürgen Hasse. Erstaunlicherweise war das Buch wirklich sehr interessant und es machte mir großen Spaß, mich in das Thema einzulesen.

Außerdem entdeckte ich eine Masterarbeit von Sophie Wanner Fandrych aus dem Jahr 2023 die sie an der TU Berlin schrieb. In ihrer Arbeit „Aus Parkraum einen sozialen und ökologischen Mehrwert schöpfen? Ansätze für Umprogrammierungen am Beispiel von Parkhäusern“ spricht sie mit vielen Expert*innen über die Themen Parkhäuser, Parkraum im allgemeinen und Flächengerechtigkeit.

Ich hatte somit zwei wirklich gute Quellen für meinen Ort gefunden. Der historische Blick von Jürgen Hasse und der zukunftsorientierte Ansatz von Sophie Wanner Fandrych ließen sich für mich zu einem Gesamtbild vereinen, auf dessen Grundlage ich meinen Text schrieb, der nachher in meine Publikation miteinfließen sollte.

Reserach & Text

Während ich das Buch und die Masterarbeit durchlas versuchte ich alles zu markieren, was ich als relevant für mein Thema und meine Arbeit empfand. Nachdem ich damit fertig war, versuchte ich die jeweiligen Inhalte in einen sinnigen Text umzuformulieren, was mir wirklich spaß machte.

Fotos

Was mir während des Fotografierens innerhalb des Parkhauses auffiel war, dass das Parkhaus wirklich riesig ist, aber nur ein absoluter Bruchteil der Parkplätze genutzt wurden. Der Ort war wirklich sehr einsam und es fuhren kaum Autos ein und aus. Mir wurde währenddessen bewusst, was Parkhäuser für eine enorme Fläche einnehmen die wirklich besser genutzt werden könnte. Da wird kostbare Fläche in der Stadt für Konsum freigehalten, der scheinbar in dem Ausmaß garnicht stattfindet und auf der anderen Seite suchen Initiativen oder Menschen Fläche und Raum zum arbeiten, organisieren oder zum Leben. Erst durch meine Arbeit an dem Projekt fiel mir auf, wie unglaublich überfüllt die Stadt von parkenden Autos ist und wie sehr es das Stadtbild beeinfluss und in meinen Augen auch beschmutzt. Es ist von außen betrachtet verrückt wie viel Raum Autos in unserer Gesellschaft einnehmen obwohl sie die meiste Zeit nicht einmal bewegt werden. Da stellt sich die Frage, wieso hat jeder Mensch das Recht mit seinem Auto so viel Raum einzunehmen?

Nur eine Kleine Auswahl der Bilder:

Pupblikation

Ich überlegte lange welche Form mein Projekt annehmen sollte und entscheid mich letztlich für eine Puplikation in der ich mit meinen Bildern und dem von mir erarbeiteten Text spielen kann.

Die Publikation hat ein Format von 100x200 mm, das entspricht im Verhältnis ungefähr der Durchschnittsgröße eines Parkplatzes. 

Für das Cover verwendete ich einen dicken Silber Karton. Dieser soll die Materialität des Parkhauses aufgreifen, da metallische Oberflächen, reflektierende Materialien und kühle Farbtöne Parkhäuser visuell dominieren. Mithilfe von Siebdruck, druckte ich ein Auto sowie die Eingrenzung eines Parkplatzes und den Titel der Publikation.

Ich suchte intensiv und lange nach gräulichem Papier, dass sich auch zum drucken gut eignete und nicht zu sehr nach „Bastelpapier“ aussah. Das stellte sich aber als wirklich garnicht so leicht raus. Ich fand ein Papier welches mir wirklich gut gefiel, aber dieses war leider nicht für den Laserdruck geeignet, weshalb die Druckereien, die ich angefragt habe nicht auf dem Papier druckten. Mir kam die Idee, das Papier vollflächig in einem Grau ton (Beton) zu drucken. Leider ist die Qualität des Druckes nicht so, wie ich es mir erhofft habe. Am Ende blieb leider keine Zeit um nochmal zu drucken.

Parkhäuser sind meist streng funktional, normiert und rational organisiert. Mit der Anordnung meiner Bilder wollte ich bewusst damit brechen. 

Der Text befindet sich in einer Box. Er parkt somit auch wieder in einem dafür vorgegebenen Platz, so wie das Auto auf einem Parkplatz. Der Text ist bewusst sehr eng gesetzt um das beklemmende Gefühl, dass unteranderem durch die niedrigen Decken, das innerhalb von Parkhäusern begünstigt wird, aufzugreifen.

Plakate

Ursprünglich wollte ich für den druck innerhalb der Publikation silbernes Tonpapier verwenden, welches ich dann aber nicht nutzen konnte. Mir kam die Idee, dass es schön wäre das Projekt noch auf eine andere weise sichtbar zu machen. Ich nutzte das Papier schließlich um 3 Plakate zu drucken.

Fazit

Der Kurs war auf vielen Ebenen bereichernd für mich. Der Theorieteil hat mir wieder gezeigt, wie viel Spaß ich an Research und dem Lesen von Texten habe. Parkhäuser und die damit einhergehenden Themen, sind wirklich interessant und sehr politisch!

Besonders die Reise, die wir nach London unternommen haben, war wirklich toll! Der Austausch mit den anderen Studierenden vom LCC war sehr cool, und auch zu sehen, wie Lehre an anderen Hochschulen und in anderen Ländern betrieben wird. Wir haben dank Susanne und Helga super viel von London sehen können, und wir als Gruppe hatten sehr viel Spaß! Es war richtig schön zu sehen, wie alle gegenseitig aufeinander geachtet haben. Das war mit eine der schönsten Erfahrungen, die ich an der FH machen durfte! Ich bin wirklich dankbar, dass uns die Reise durch die Erasmus-Förderung ermöglicht wurde.

Auch die Arbeit an meinem Projekt hat mir Spaß gemacht. Rückblickend wäre es aber doch schön gewesen, das Projekt innerhalb einer Gruppenarbeit zu gestalten, weil einfach noch viel mehr möglich ist und durch den Austausch oft noch bessere Sachen entstehen können. Beim nächsten mal wieder!