Prozess

Die Fotoserie entstand ursprünglich im Sommersemester 2023 im Kurs mit Göran Gnaudschun. Damals war das Ziel eine Serie aus ca. 7 Fotos. Allerdings entstanden deutlich mehr, die meiner Meinung nach alle extrem wichtig für die Geschichte, die ich gerne erzählen wollte, waren. Daher hatte ich seitdem geplant, ein Fotobuch zu entwickeln.

Gestaltungsentscheidung

Ein Großteil der Fotos ist ein Querformat. Ich wollte gerne, dass die querformatigen Fotos über eine Doppelseite laufen, um die Bildwirkung zu verstärken und die Größe des Buches so gut wie möglich zu nutzen. Auf einer Einzelseite wären die Fotos viel zu klein geworden. Gleichzeitig musste eine Einzelseite gut für die hochformatigen Fotos funktionieren, auch die sollten nicht zu klein werden. Dadurch entschied ich mich für das Format 18x24 cm.

Die Fotoserie kann in zwei „Gruppen“ geteilt werden: Es gibt Fotos aus der Kneipe wie sie aktuell aussieht. Sie zeigen die Leere und Stille, die sich mittlerweile verbreitet hat, obwohl die Einrichtung gleichzeitig eine gewisse Belebtheit ausstrahlt. Diese Fotos werden im Fotobuch immer mit einem Rand abgebildet. Die zweite „Gruppe“ sind die Bilder von Bildern, positioniert auf verschiedensten Untergründen aus der Kneipe. Sie zeigen die Gemeinschaft und das Leben aus vergangenen Zeiten, aus den letzten ca. 70 Jahren bis zur Schließung der Kneipe. Diese (querformatigen) Bilder erstrecken sich über eine Doppelseite ohne Rand. So kommen die Strukturen und Oberflächen noch stärker hervor, es wirkt fast, als könnte man sie tatsächlich fühlen.

Gedruckt wurde auf das Metapaper Rough Air white, 120 g/qm². Das offene Papier transportiert eine Art von weicher Geborgenheit. Der Festeinband, der mit einer Wachstuchtischdecke original aus der Kneipe bezogen wurde, verstärkt dieses Gefühl. Beim Blättern durch das Buch kann man einen leichten Geruch nach abgestandener Zigarette wahrnehmen, wie man es auch in alten urigen Kneipen riecht.

Der Titel „Braunschweiger Hof“ ergab sich für mich von Anfang an, da das auch der Name der Kneipe war. Somit war das der einzig richtige Titel für das Buch.

Bei der Typografie entschied ich mich bewusst für zwei serienlose Schriften. Die Cover-Schrift hat einen sehr dicken Schnitt, der Name wurde in Kapitälchen geschrieben. Die Schrift steht sicher und fest. Damit soll ein bewusster Bruch zu dem Alten geschaffen werden. Der Festeinband, das Papier, die Fotos hohlen die Betrachterin in die Welt der alten urigen Kneipe. Die Schrift schafft eine Brücke zum Jetzt und zu dem aktuellen Kernproblem, mit dem sich das Buch beschäftigt - das Aussterben von Kneipen im ländlichen Raum, dem Fehlen dieser Zusammenkunftsorte.

Bindung

Ich entschied mich für eine Schweizer Broschur mit Festeinband. Die Französische Kettenstichheftung schafft ein angenehmes Aufschlagverhalten.