Motivation
Aufgrund meines Hintergrunds im Produktdesign habe ich schon lange einen engen Bezug zur Gestaltung in 3D und habe immer wieder nebenher meine Motion-Kenntnisse in den Programmen Blender und Cinema 4D ausgebaut. An der FHP konnte ich dann meine ersten Motiondesign-Kenntnisse in After Effects machen. Für mein Praktikum war es mir wichtig, in einem eher kleineren Unternehmen zu arbeiten und ein möglichst breites Spektrum an Projekten und Aufgaben mitzubekommen. Ich wollte außerdem einen Fokus auf die Programme Cinema 4D und After Effects legen. Auf 908 bin ich durch zwei ältere Praktikumsberichte in Incom aufmerksam geworden und wusste sofort, dass ich dort auch gerne meine Praxissemester absolvieren will.
Bewerbung
Die Bewerbung lief relativ unkompliziert. Ich habe mich im Juni noch aus meinem Auslandssemester per E-Mail initiativ beworben – erstmal nur mit Motivationsschreiben, Lebenslauf und Link zu meiner Webseite. Erst kam nicht so richtig eine Rückmeldung, dann habe nach ein, zwei Wochen einfach noch mal nachgehakt. Ende Juli hatten wir ein erstes Online-Kennenlernen, bei dem die drei Chefs und die Projektmanagerin dabei war, mit der ich vorab auch kommuniziert hatte.
In meinem Portfolio hatte ich schon einige 3D-Arbeiten und Motion-Design-Projekte, was für das Gespräch denke ich Voraussetzung war. Präsentiert habe ich das Ganze in Figma, auf Screens, auf denen teilweise auch Bewegtbild und GIFs zu sehen waren. Anfang August war ich dann zur Vertragsunterzeichnung persönlich in Berlin und im September fing mein Praktikum in Vollzeit an.
Rückblickend würde ich aber dringend empfehlen deutlich früher mit den Bewerbungen anzufangen!
908video
908 ist eine Kreativagentur mit Sitz am Schlesisches Tor, die es jetzt schon seit 17 Jahren gibt. Sie decken ein ziemlich breites Spektrum ab. Es gibt viel Motion Design – also zum Beispiel Erklärvideos, Präsentationen, Messebespielungen – und mehrere Personen, die vor allem im 2D-Bereich arbeiten, mit Illustration, Layout, Infografiken und kleineren Charakteranimationen. Zum klassischen Videoschnitt und Editing kommen mittlerweile natürlich auch zunehmend KI-Assets und KI-Videogenerierung dazu.
Das Kernteam besteht aus etwa zwölf festangestellten Personen und projektabhängig auch immer wieder ein paar Freelancern. Während meines Praktikums hat in den ersten drei Monaten auch noch eine weitere Praktikantin mit mir zusammen gearbeitet, was ein sehr schöner Austausch war.
Ich hatte einen festen Arbeitsplatz in einem großen Raum, in dem die meisten anderen Designer*innen auch sitzen. Homeoffice war eher die Ausnahme, was für mich aber total okay war, weil der Austausch im Studio für mich deutlich wertvoller war. Man konnte zwischendurch immer wieder Fragen stellen und die Ausstattung vor Ort mit zwei großen Bildschirmen und einem vernünftigen Stuhl war natürlich auch sehr komfortabel. Einmal die Woche findet meistens montags ein Teammeeting statt, in dem jede Person kurz sagt, woran sie gerade arbeitet und die Chefs ggf. neue Projekte vorstellen.
Die Stimmung im Team war eigentlich immer ziemlich super. Es gab relativ regelmäßig ein Koch-Event mittags, wo per Abstimmung entschieden wurde, was gekocht wird, jemand einkaufen gegangen ist und dann gemeinsam oder abwechselnd gekocht wurde. Dazu kamen alle paar Monate größere Team-Meetings, in denen alle abgeschlossenen Projekte gezeigt wurden, was ich super fand, weil man im Alltag dann doch oft nicht richtig mitkriegt, woran die anderen so arbeiten. Es gab außerdem auch eine schöne Weihnachtsfeier, bei der wir einen Kochkurs besucht haben und anschließend in eine Bar gegangen sind, wir haben gemeinsam im Studio gebruncht oder ein paar von uns sind zusammen in eine Ausstellung gegangen.
Projekte
Ich wurde von Tag eins involviert und konnte in den sechs Monaten an diversen Projekten mitwirken. Da die Teams meistens nur aus 2-4 Personen bestehen, ist die Eigenverantwortung und Relevanz der eigenen Arbeit von vornherein groß gewesen. Das fand ich enorm wichtig. Die Zuteilung der Projekte und Aufgaben übernimmt einer der drei Chefs, wobei ich auch jederzeit sagen konnte, auf was ich Lust habe und welche Kenntnisse ich vertiefen will. Zwischendrin gab es natürlich auch manchmal kleinere Jobs, die eben einfach erledigt werden mussten.
Zusätzlich hatte ich zwischendurch immer wieder die Möglichkeit, eigene kleinere Projekte zu machen oder mir einen Tag lang Tutorials anzuschauen und neue Workflows zu lernen, wenn es mal ruhiger war. Das fand ich super wertvoll.
01) Siemens – „One Design Language“
Siemens hat im letzten Jahr ihre ganze Visual Identity und CI überarbeitet und dafür sollte ein etwa zweiminütiges Video entstehen, das vor allem intern genutzt wird und vermitteln soll, wofür diese Design Language steht und warum sie entstanden ist.
Das Storyboard stand schon, als ich angefangen habe, aber visuell war noch vieles in der Explorationsphase. Das war ein super Einstieg. Ich konnte verschiedene Ansätze testen, im Ping-Pong zwischen Cinema 4D und After Effects, und habe gemerkt, wie stark 2D- und 3D-Workflows ineinandergreifen. Der Prozess war relativ klar: Es gab ein Briefing und ein Skript, das mit einem KI-Voice-Over getestet wurde, dann visuelle Explorationen in 2D und 3D, und am Schluss wurden die einzelnen Szenen final ausgearbeitet und zusammengesetzt.
02) Siemens Healthineers – Diverse Projekte
Im zweiten Projekt war der Kunde Siemens Healthineers, ein Unternehmen, das aus Siemens entstanden ist und sich mit medizintechnischen Geräten befasst. Für die gibt es eigentlich konstant kleinere und größere Projekte.
Ein größerer Block war der neue Claim „Elevating Health Globally“. Dafür sollten diverse Assets erstellt werden – kurze Animationen, die für Social Media genutzt werden können, als transparente Overlays, mal mit dekorativen Elementen, mal ganz reduziert. Da habe ich allein daran gearbeitet, klassisches Motion Design in After Effects, und am Ende ist daraus so ein Paket an Animationen entstanden. Es gab außerdem diverse Videoschnitt-Projekte, in denen wir mit Realfilm-Material aus Kliniken oder von Patient*innen gearbeitet haben. Videoschnitt hatte ich vorher noch kaum gemacht, aber ich fand es ganz cool, zwischendurch auch mal ein, zwei Tage nur an einem Schnittkonzept zu sitzen, weil der Lerninput in den 3D-Projekten schon sehr hoch war. Besonders spannend fand ich die Arbeit an der jährlichen Hauptversammlung: Wir haben dafür eine große Präsentation gestaltet, mit zwei Screens auf einer Bühne, auf denen alle Slides animiert waren, und die Bühne in 3D nachgebaut, um zu testen, welche Kameraeinstellungen später in der Live-Übertragung welchen Bildausschnitt zeigen. An diesem Projekt haben auch extrem viele Personen mitgearbeitet und auch die rechtlichen Aspekte waren ein spannender Einblick.
03) Solum - Smart Online Plattform
Das nächste Projekt war für Solum, einen amerikanischen Hersteller von elektronischen Regalbeschriftungen. Die waren im Prozess eine neue Web-Plattform zu entwickeln, auf der Tutorials, Produktkataloge und Zertifikate gebündelt werden sollten. Dafür sollten wir ein Video machen.
Die große Herausforderung war, dass es anfangs kaum fertige Inhalte gab – vieles waren Platzhalter. Videos von Mitarbeitenden gab es zum Beispiel nicht, also wurden aus Fotos KI-Videos generiert. Das Design der Webseite existierte auch noch nicht so richtig. Da ich Interface Design studiere, war es naheliegend, dass ich mich darum kümmere. Es hat super Spaß gemacht, dieses Web-Design relativ niedrigschwellig zu entwerfen, eher konzeptionell, und gleichzeitig von Anfang an dreidimensional zu denken: Also wie bewegen sich die Inhalte, wie repräsentieren sie das Gesprochene und wie kann man das Ganze in Bewegung erzählen. Auch hier lief der Prozess über Moodboards, Kund*innen-Absprachen, ein Skript mit KI-Voice-Over und am Ende ein finales Video mit Sounddesign, das noch von einem Freelancer erstellt wurde.
04) nlx – AI Tool
Das letzte Projekt war für nlx, einem Anbieter eines KI-Tools. Hier sollte ein kurzes Video entstehen, das die Vorzüge dieses Tools und die Prozesse dahinter visualisiert.
In das Projekt bin ich ein bisschen später eingestiegen, als das meiste Storyboard schon stand. Die visuelle Sprache war ziemlich klar vorgegeben: zweidimensional, schwarzweiß-lastig, mit Outlines. Ich habe zwei Szenen übernommen und vor allem in Cinema 4D gearbeitet, um diese Mischung aus 2D-Ästhetik und subtilen 3D-Bewegungen zu explorieren.
Tools
Zum Schluss noch ein kurzer Überblick über die Tools und Programme, mit denen ich im Alltag gearbeitet habe. Die gesamte Kommunikation findet eigentlich über Slack statt, mit verschiedenen Channels für Projekte, Abstimmungen und Projektmanagement. Miro war die größte Plattform für Moodboards, Präsentationen für Kund*innen und das Sammeln von Inspirationen und Zwischenständen. Teilweise wurde auch auf Figma gearbeitet, ähnlich wie in Miro. Für 3D habe ich vor allem Cinema 4D mit Redshift genutzt, für Motion Design After Effects, für 2D-Arbeiten Illustrator und für klassischen Videoschnitt DaVinci Resolve. Für Voice-Over-Skripte kam häufig ElevenLabs zum Einsatz, um KI-Stimmen und grobe Zeitreferenzen zu erzeugen.
Learnings
Im Team war es ein super nettes Miteinander und eine schöne Arbeitsatmosphäre. Ich finde es total wichtig, mit Menschen zusammenzuarbeiten, mit denen man sich auf Augenhöhe austauschen kann und konstruktive Kritik bekommt, und das war auf jeden Fall gegeben.
Spannend fand ich, wie unterschiedlich die einzelnen Personen gearbeitet haben und wie gut das trotzdem im Alltag zusammengepasst hat. Durch die Vielfalt der Projekte und Kund*innen haben sich immer wieder verschiedene Designbereiche getroffen, was ich sehr bereichernd fand.
Fachlich habe ich im Designbereich wahnsinnig viel gelernt – insbesondere, wie berufliche Abläufe, Kundenkommunikation und Projektmanagement funktionieren und wie komplexere Prozesse mit vielen Beteiligten organisiert werden.
Außerdem war für mich spannend zu sehen, wie sehr KI inzwischen in den Arbeitsalltag integriert ist. Wir haben mit verschiedenen KI-Tools gearbeitet, ich selbst ein bisschen weniger, aber generell wurde damit viel experimentiert. Manche Workflows werden dadurch schneller, andere auch komplexer. Ich glaube, das wird für alle Kreativschaffenden in den nächsten Jahren ein wichtiges Thema bleiben.
Fazit
Abschließend kann ich sagen, dass mir die Zeit im Praktikum wahnsinnig viel Spaß gemacht hat, ich sehr viel gelernt habe und ich ein Praktikum im Studium auf jeden Fall empfehlen würde. Man bekommt einen viel tieferen Einblick in Abläufe und Anforderungen im Berufsalltag und kann sich gleichzeitig schon vernetzen – egal ob in der eigenen Stadt oder woanders.