Anthroposophie betrachtet Farben als lebendige Wesenheiten, die tiefgreifend auf Körper, Seele und Geist wirken. 

Basierend auf Rudolf Steiners Lehre fördern spezifische Farbanwendungen in der Kunsttherapie (z.B. Aquarellmalerei) Heilungsprozesse, indem sie Blockaden lösen; 

Farben werden als Ausgleich genutzt: Rot wirkt vitalisierend, Blau beruhigend, Grün harmonisierend, während Gelb und Orange die Stimmung aufhellen.

Kurseinstieg & Vortragsfindung

Wir starten mit der Findung unserer eigenen Interessensgebieten in     Bezug auf Farbe --> was möchte ich tiefergehend erforschen, wo zieht es mich hin?

Schnell wird klar: Dieser Kurs ist nicht dafür geschaffen, zu erklären, was die Wirkung und Bedeutung verschiedener Farben sind, sondern dazu, es gemeinsam zu erforschen.

Zwar setzen wir uns mit Forscher:innen und deren Arbeit auseinander, legen jedoch keine verbindliche Disposition an Erkenntnissen fest, an die wir uns zu halten haben.

Die Herangehensweise gefällt mir, da sie mehr Freiheit und Offenheit in Betrachtung und Denkprozessen zulässt - ich denke, dass sich das später auch in der Vielfalt der Projekte zeigt.

Doch zunächst überlegen wir uns Vortragsthemen; ich habe einige Ideen und entscheide mich mit Hilfe des Kurses für folgendes Thema:

Workshop und Themenfindung für's finale Projekt

Nachdem sich der erste Vortragszirkel im Kurs geschlossen hat, gehen wir in den Projektfindungsprozess. 

Mit welchem Medium ich mich für meine Abgabe auseinandersetzen?

Ich begeistere mich schon von Kleinauf für alles was mit Musik zu tun hat - nicht nur hege ich eine tiefe Liebe für Melodien, Beats und Arrangements, sondern auch für die Übersetzung dieser in Visuals. Außerdem spielen für mich die Songtexte eine gleichbedeutende, teilweise sogar übergeordnete Rolle. 

Nachdem ich mir einige Musikvideos angeschaut und auf besonderen Fokus auf die Farben gelegt hatte, fragte ich mich: 

Wie verändern sich die Farben in Musikvideos in Beziehung zum Inhalt des Songs?

Teilweisehatte ich das Gefühl, klar gesetzte dramaturgische Entscheidungen wahrnehmen zu können. Daher überlegte ich mir, als Abschlussarbeit einen beobachtenden Zusammenschnitt zu erstellen. Meine daraus entstandende Projektfrage lautet:

Wie verhalten sich musikalische Übergänge und Farbwechsel in Musikvideos zueinander – und was entsteht, wenn man sie neu montiert?

Finales Projekt: Herangehensweise

Nun war es mir aber auch wichtig, mir ein Ziel und eine Struktur zu überlegen, so dass ich eine Orientierung habe. 

Oft weiß ich nicht so richtig, wie und wo ich starten soll und lande in einem mittelschweren mentalen Chaos, das mich hemmen kann, richtig einzusteigen. 

Daher habe ich mir folgende Regeln gesetzt: 

1. Ausreichend Material sammeln, in dem mir die Farbwechsel im Musikvideo auffallen. 

2. Die Lyrics je 5 Sekunden vor- und 5 Sekunden nach dem Farbwechsel transkribieren. 

3. Die Lyrics neu zusammensetzen, so dass eine poetische Ebene entsteht.  Der dabei entstehende Text wirkt abstrakt, soll jedoch einen einen semantischen Flow haben. 

Die visuellen „Schnipsel“ hängen hierbei an den Texten dran und werden entsprechend nach dem neu entstandenen Text sortiert. So bestimme ich nicht einfach nur nach Gefühl, welcher Ausschnitt dem anderen folgt. 

Mein Ziel dabei:

Ein Video, das aus vielen Zusammenschnitten eine neue Story ergibt.  Geleitet wird das Endergebnis von den Farben und vor allem den Farbwechseln, denn sie waren der erste Faktor, der im Prozess zu tragen kam.

Die Ästhetik darf gern experimentell sein - die Kraft des Projektes darf in der Stimmung liegen, die im Zusammenspiel erzeugt wird.

Beobachtungen und Musikwahl

Während ich die Lyrics neu montierte, entstand ein Text, der wie ein bittersüßer innerer Monolog anmutete:

Bildschirmfoto 2026-03-21 um 13.30.54.jpeg

Mein Ziel war es, dieses Gefühl durch die gewählte Musik zu unterstützen. 

Nachdem ich viel Open-Source-Musik durchstöbert hatte, entschied ich mich für das Stück „Solace“ von Scott Joplin, das ein Freund meiner Mutter eingespielt hatte. Es schenkt Ruhe und ein Gefühl von Intimität und lenkt nicht zu sehr von Text + Visuals ab.

Herausforderungen

Eine große Herausforderung begegnete mir bereits bei meinem Vortrag (Gegen den Strich - wie Farben im Film mit Erwartungen spielen können): Es fällt mir unheimlich schwer, die Farben unabhängig von den Bildern zu betrachten. Sehe ich zu viele Gesichter, Blicke, Stories, dann lenken diese mich ab. Die Farbe dann noch als eigenes Element, vom Rest losgelöst, zu betrachten, ist nahezu unmöglich. 

Das bemerkte ich auch, als ich selbst mit dem Schneiden anfing.            Die Musikvideos sind natürlich nicht nur in ihrer farblichen Inszenierung interessant, so dass das Gehirn auch auf alles andere achtet. 

Zusätzlich war mir der Kontrast von Video zu Video (Kameraqualität, Format, Sättigung etc.) zu groß, um als betrachtende Person eine einbettende Ästhetik/einen roten Faden zu erkennen. 

Idee: Pixel! Ich musste an eine unserer ersten Stunden denken, in der Herr Dufke uns ein Beispiel gezeigt hat, in dem die Bildfarbigkeit auf Pixel reduziert wurde. 

Und so experimentierte ich mit verschiedenen Filtern, vom Verpixeln bis zum Blurren. Sie ermöglichen, durch Reduktion von Informationen der Farbgebung mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Hier hat sich auch die Framegröße und -form ergeben. Sie erreicht einen geordneteren, cineastischen Look und ich musste keines der Videos   croppen. Außerdem habe ich so mehr Spielraum für die Effekte, vor allem wenn die Bildfarbe in Streifen übersetzt wird.

Video - Something's Changed.

Fazit

Ich habe durch den Kurs einen neuen Blick auf den Umgang mit- und die Bedeutung von Farbe im Film gewonnen. Schon während des Kurses habe ich gemerkt, dass ich viel bewusster auf ihren Einsatz achte. 

Außerdem hat mir die Ermutigung zum experimentellen Annähern (von Erschließen kann natürlich nicht die Rede sein) an das Thema sehr gefallen. 

Den Aspekt der Storytelling/Farb-Beziehung, der ein wenig knapp ausgefallen ist, würde ich gern zukünftig noch mehr beleuchten.

Insgesamt bin ich immer gern in den Kurs gegangen.

Bildschirmfoto 2026-03-21 um 19.25.20.jpeg

Spannendes

https://www.tagesanzeiger.ch/beeinflussen-farben-unsere-gefuehle-891230939276

https://www.goetheanum-paedagogik.ch/en/publikationen/grundlagen/farben-und-das-kind