Reflexions Tagebuch: Barrieren im Alltag
Youtube Video über Fetisierung von Behinderungen
Das Video hat mich echt zum Nachdenken gebracht, weil es ein Thema anspricht, das im Alltag oft unausgesprochen bleibt – nämlich, wie Menschen mit Behinderung angestarrt, beurteilt oder sogar sexualisiert werden.
Was mir besonders gefallen ist, war Matildas direkte und ehrliche Art, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Sie thematisiert nicht nur den Blick anderer, sondern fragt sich, warum dieser Blick so unangenehm oder übergriffig sein kann.
https://www.youtube.com/watch?v=tMRgqyvPm1E&t=39s&pp=ygUTZmV0aXNjaCBiZWhpbmRlcnVuZw%3D%3D
Weihnachtsmarkt mit unzugänglicher Rampe
Ich war am Wochenende in Hamburg auf einem Weihnachtsmarkt, wo ich dieser Rampe begegnet bin. Sie ist durch den Mülleimer davor komplett unzugänglich und nutzlos.
Ich finde es echt schade, dass gerade an einem kirchlichen Weihnachtsmarkt, wo viele ältere Menschen sind, solche Probleme vorkommen.
Wir haben den Mülleimer dann eigenständig woanders hingestellt.
Stille Stunde
Ich bin zufällig auf die „Stille Stunde“ gestoßen und war direkt von dem Konzept begeistert. Ich gehe selber lieber mit Kopfhörern einkaufen, weil ich mich so besser konzentrieren kann.
Für viele Menschen kann der ganz normale Einkauf im Supermarkt ziemlich anstrengend sein – mit grellem Licht, lauter Musik, ständigen Durchsagen und dem Gewusel beim Ein- und Ausräumen. Besonders Menschen im Autismus-Spektrum oder mit sensorischen Empfindlichkeiten tut ein ruhigeres Umfeld gut. Aber auch ältere Menschen, Leute mit Angststörungen oder einfach Menschen, die schnell gestresst sind, würden davon profitieren.
Was mir gefallen hat, ist, dass die Mitarbeitenden sichtbar gekennzeichnet sind und Hilfe aktiv angeboten wird. Das schafft Sicherheit und Vertrauen. Ich frage mich, warum solche Maßnahmen nicht viel selbstverständlicher sind.
Die Stille Stunde ist nicht aufwendig oder teuer. Kleine Dinge wie: Licht dimmen, keine Musik, kein Lärm –, können eine riesige Wirkung haben. Das zeigt: Inklusives Design bedeutet nicht immer, etwas Neues zu erfinden, sondern manchmal einfach, Dinge wegzulassen.
Strandweg für Seebehinderte ohne Winterdienst
Diesem Schild bin ich an der Ostsee begegnet. Ähnlich wie beim Weihnachtsmarkt wird hier wieder minimale Bemühung vermieden.
Ich finde es schön, dass es einen Strandabschnitt für Sehbehinderte gibt, aber verfehlt man nicht, wenn man entscheidet keinen Winterdienst einzusetzen, genau diese Idee? Und wie kommen die Betroffenen überhaupt zu diesem Punkt. Er liegt an einem Erdweg, der erst in der Ferne mit einer befestigten Straße verbunden ist. Außerdem war der Abschnitt nicht sonderlich lang, keine 200m.
Mit einem Winterdienst (es reicht ja zu streuen) und einem verlängerten „Steg“ mit Geländer könnte man hier einen recht guten Weg ausbauen, den Sehbehinderte auch wirklich selbstständiger nutzen könnten.
Barrieren in den "Öffis"
die Bahn ist leider ein Paradebeispiel für viele nicht-inklusive Situationen.
Mir ist einiges begegnet, was ich hier gesammelt vorstellen möchte.
- Zu hohe Einstiege bei Zügen: Viele Bahnsteige passen nicht zur Einstiegshöhe der Züge. Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator brauchen eine Rampe oder Hilfe vom Personal – spontane Mobilität ist dadurch kaum möglich.
Nicht funktionierende Aufzüge an Bahnhöfen: Immer wieder sind Aufzüge kaputt oder außer Betrieb. Das bedeutet für mobilitätseingeschränkte Menschen oft: Umwege oder sogar das komplette Vermeiden bestimmter Bahnhöfe, was ein großer zeitlicher Aufwand ist.
Unklare oder rein visuelle Informationen: Verspätungen oder Änderungen werden nur über Displays oder Lautsprecherdurchsagen bekanntgegeben – mir ist beides gleichzeitig nicht einmal begegnet. Ohne Begleitperson für blinde und oder gehörlose Menschen stell ich mir eine Fahrt extrem stressig vor.
Fehlende taktile Leitsysteme: Blinde Menschen orientieren sich mit Hilfe von Bodenindikatoren – diese fehlen oft oder sind durch Umbauten, Baustellen oder Müll blockiert.
Blockieren durch Mitfahrende: mir ist mehrfach begegnet, wie Menschen andere bewusst oder unbewusst diskrimminiert haben. So einmal eine blinde Person, mit einer signalisierungs Armbinde, in einem vollen Zug hin- und her gedrückt wurde. Auf eine Aufforderung von mir, doch bitte die Koffer von den freien Sitzplätzen zu nehmen, wurde nur mit dem Kopf geschüttelt. Dann eine ...
Präsentation: best Practices für autismus- und neurodiversitätsfreundliche Websites
Abschlussprojekt: booklet "design for everyone"
Ich habe mich von dem Poster von Karwai Pun inspirieren lassen und mein eigenes Booklet entworfen. Da ich während der Recherche für meine Präsentation sehr viel mit Interfacedesign beschäftigt habe, wollte ich bei diesem Projekt etwas kreativer werden.
Ich habe meine Erkenntnisse aus meiner Analyse in einer Gegenüberstellung (Do´s & Don´ts) aufgearbeitet. Dabei habe ich wieder gov.uk als Quelle für neurodiversitätsfreundliches Design verwendet und diverse andere Seiten als negativ Beispiele (siehe Quellen). Das Ganze habe ich schlicht und minimalistisch umgesetzt und ein Medium geschaffen, was sogar für Kinder gut verständlich ist.
Reflexion des Kurses
In meinem Projekt zum Thema „Webdesign für neurodiverse bzw. autistische Menschen“ habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie digitale Oberflächen gestaltet sein müssen, um möglichst barrierearm, reizreduziert und nutzerfreundlich für eine neurodiverse Zielgruppe zu sein.
Meine Motivation für dieses Thema war ein wachsendes Interesse an digitaler Inklusion, besonders im Hinblick auf Menschen, die häufig durch klassisches Design ausgeschlossen werden – sei es durch überladene Interfaces, unklare Navigation oder fehlende Rücksicht auf sensorische Empfindlichkeiten.
Zu Beginn des Projekts war meine Erwartung, besser zu verstehen, welche konkreten Bedürfnisse neurodiverse Nutzer:innen haben und wie gutes Design ihnen helfen kann, sich sicher und orientiert im digitalen Raum zu bewegen.
Die Grundlage meines Projekts bildeten zunächst persönliche Beobachtungen im Alltag sowie die Recherche zu neurodiversen Nutzerbedürfnissen – etwa durch Videos wie das von Matilda zur sensorischen Überreizung oder durch Alltagsbeispiele wie schlecht zugängliche Websites, unverständliche Buttons und reizintensive Layouts.
Ich habe außerdem reflektiert, wie viele Web-Erfahrungen auf „neurotypische“ Nutzer:innen ausgerichtet sind und wo potenzielle Barrieren liegen – z. B. durch chaotische Seitenstrukturen, Animationen, grelle Farben oder Fachchinesisch.
Lessons Learned/ Fazit
Während des Projekts habe ich gelernt, wie wichtig Empathie und Offenheit im Designprozess sind. Oft denkt man als Gestalter:in aus der eigenen Perspektive – und übersieht dabei schnell, wie anders die Welt für andere Menschen wirkt.
Eine große Stärke des Projekts war die Verbindung von Design und sozialer Verantwortung. Gleichzeitig war es eine Herausforderung, sich in eine Perspektive hineinzuversetzen, die man selbst nicht lebt.
Das Seminar hat mir gezeigt, wie relevant Inklusion im Designalltag ist – und wie viel Verbesserungspotenzial es noch gibt. Für zukünftige Projekte nehme ich das Octo-Kit und das MiroBoard mit, da ich es wichtig finde, dass man nicht nur für sich sondern für möglichst alle gestaltet.