Recherche
Zu Beginn des Kurses haben wir einen groben Überblick zu den fünf Kleidungsstücken bekommen, sofern es Informationen dazu gab. Bei einigen Kleidern war die vorangegangene Recherche bereits relativ aufschlussreich gewesen, bei anderen weniger. Auf Miro konnten alle Informationen zusammengetragen werden, um sie auf diese Weise für alle zugänglich zu machen.
Als unsere eigene Recherche begann, besuchten wir die Nationalbibliothek bei der Nationalgalerie in Berlin und konnte durch verschiedenste historische Zeitungen und Abbildungen blättern.
Mich interessierte von Anfang an das himbeerrote Abendcape von Coco Chanel (um 1922). Zum einen fand ich die Biografie von Chanel unfassbar spannend, zum anderen sprach mich die Erscheinung vom Cape auf eine interessante Weise an. Aus diesem Grund entschied ich, mich bei der Recherche in der Bibliothek darauf zu konzentrieren und sah mir die französische Vogue-Zeitschriften von 1920 bis 1922 an, um herauszufinden, wie die Capes damals getragen wurden, zu welchen Anlässen eventuell und ob das Abendcape von Chanel dem Stil dieser Zeit entsprach oder vielleicht doch sehr außergewöhnlich im Design war.
Die Woche darauf konnten wir die Kleidungsstücke aus der Nähe betrachten, da wir sie zuvor nur von Fotos kannten. So erhielten wir noch einmal neue Einblicke zu gewissen Details, die vorher noch nicht deutlich wurden.
Entwurfsphase
In der Entwurfsphase entwickelten wir drei Moodboards mit drei unterschiedlichen Ideen zu dem Kleidungsstück unserer Wahl. Nachdem diese präsentiert wurden, bekamen wir Feedback und konnten im Gespräch Klarheit darüber bekommen, welchen der Ansätze wir weiter verfolgen würden.
Für mich war relativ schnell klar, dass ich gerne eine Riso-Animation entwickeln wollte. Da Vero ebenfalls eine ähnliche Idee verfolgt, entschieden wir uns, in einer Gruppe an einem gemeinsamen Konzept weiterzuarbeiten, worauf wir auch bei der Präsentation unserer Tischplakate vor Ort im KGM Bezug nahmen.
Wir wollten eine jeweils eigene Animation mit Riso machen und diese anschließend zu einem Loop zusammenbringen. Außerdem hatten wir die Idee, eine Auswahl einzelner Frames über einen Digitaldruck auf Seide zu bringen und als Produkt zum Video zu präsentieren.
Das finale Konzept
In unserem finalen Konzept wollen wir die Animationen im Loop spielen lassen und mit Musik verbinden, die die Zuschauer*innen einen Tanzabend der 1920er Jahre fühlen lässt. Zusätzlich wollen wir in der Ausstellung ein digital bedrucktes Seidentuch zu der Animation aufhängen.
Der Konzepttext
Un Soirée de Chanel
Die unbekannte Trägerin des um 1922 entstandenen himbeerroten Abendcapes von Gabrielle Chanel (geboren 1883, gestorben 1971) lebte in den 1920er Jahren in Frankreich. Diese Zeit des Umbruchs wurde auch als „Anneès folles“ (verrückte Jahre) oder in Deutschland als „Goldene Zwanziger“ bezeichnet. Dem ersten Weltkrieg folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung. Die Menschen konnten sich wieder mehr leisten und die High Society feierte wilde Partys. Amerikanische Jazzmusik kam langsam auch in Frankreich an und wurde immer beliebter.
Wir stellen uns die Trägerin in ihrem edlen Chanel-Cape in einer Pariser Jazz Bar der Zwanzigerjahre vor. Das Cape schwingt mit den Bewegungen der Trägerin zur Musik, in der schummrigen Atmosphäre verändern sich die Muster und verschmelzen mit der Musik. Die Stimmung ist energetisch und lebendig.
Diese Dynamik wird durch eine Riso-Animation abstrakt erfahrbar und greifbar. Die Animation entsteht durch einen Riso-Druck, ein Verfahren nach Art der Siebdrucktechnik. Im ersten Teil der Riso-Animation liegt der Fokus auf dem Cape in Bewegung und wie das Muster darauf reagiert, sich verformt und verändert.
Im zweiten Teil erweitert sich der Fokus zusätzlich: es wird ein abstrakter Bezug zwischen Abendgesellschaft und dem Muster des Capes hergestellt. Die einzelnen Elemente bewegen sich rhythmisch zur Musik und repräsentieren die Menschen und Stimmung in einer Aufsicht. Sie zeigen grafisch, wie sich die Feiernden zueinander und miteinander bewegen, interagieren und tanzen.
Die Farben der Riso-Drucke sind leuchtend und laut. So soll die lebendige Stimmung widergespiegelt und ein moderner Bezug zu einer lange vergangenen Zeit hergestellt werden. Gleichzeitig erinnert das typisch körnige Aussehen und unperfekte Resultat des Riso Drucks an die schwarz-weiß Filme der 1920er Jahre, die durch die technischen Gegebenheiten eine eigene Ästhetik aufweisen. Die flimmernden Bilder dieser Zeit werden durch die Frame-by-Frame Animation evoziert.
Um auf die Herkunft der Mode und des Kleidungsstückes zu verweisen, sind einige der Frames auf edlen, glänzenden Seidenstoff gedruckt. Der Glanz des Stoffes verleiht den Farben des Druckes eine zusätzliche Leuchtkraft und erinnert an den Glanz der feinen Glasperlen, mit denen das Cape bestickt ist.
Präsentation im KGM
Die ersten Sekunden der Animation
Für die finale Präsentation habe ich die ersten Sekunden umgesetzt, um eine Vorstellung zu vermitteln, wie es im Endeffekt aussehen wird.
Ausblick
Im Weiteren möchte ich weiter an der Animation arbeiten und diese in Zusammenarbeit mit Vero finalisieren und beide Videos zu einem Loop zusammenfügen. Außerdem werden wir noch die einzelnen Frames zu einem Gesamtbild zusammenfügen, welches wir anschließend auf ein Seidentuch drucken werden. Dieses werden wir dann noch in das Atelier Z10 bringen, damit dort die Ränder gelungene Präsentation ordentlich vernäht werden.