Wimmelbilder
Was sind Wimmelbilder?
Wimmelbilder sind großformatige, detailreiche Illustrationen, in denen zahlreiche Figuren, Szenen und Objekte dicht gedrängt dargestellt sind. Sie wirken auf den ersten Blick chaotisch und laden dazu ein, versteckte Elemente zu suchen. Diese Bilder sind oft thematisch gestaltet und bieten viele kleine Geschichten und Szenen zum Entdecken, was sie besonders bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen beliebt macht.
Wieso wählten wir Wimmelbilder für unser Experiment aus?
Durch die vielen Details und versteckten Objekte in Wimmelbildern werden die Augen des Betrachters gezwungen, sich über das gesamte Bild zu bewegen. Dies bietet wertvolle Daten über natürliche Sakkaden (schnelle Augenbewegungen) und Fixationen (Blickverweildauer). Außerdem lassen sich Wimmelbilder gut verwenden, um das Suchverhalten und die Aufmerksamkeitssteuerung zu untersuchen. Wir wollten analysieren, wie effizient und schnell unsere Probanden bestimmte Objekte finden und welche Strategien sie dabei anwenden.
1. Vorbereitung
Ursprünglich planten wir das Experiment mit sowohl Erwachsenen, als auch Kindern durchzuführen. Leider konnten wir aufgrund von bürokratischem Aufwand und der kurzen Zeit, die wir hatten, keine Analyse mit Kindern durchführen und konzentrierten uns zuerst auf erwachsene Probanden.
Zur Analyse wählten wir 4 illustrierte Wimmelbilder und bereiteten verschiedene Suchaufgaben vor.
2. Durchführung
Unsere Probandinnen waren 5 Design-Studierende im Alter von 21-32 Jahren. Unser Experiment führten wir mit dem Tobii Fusion Pro (120 Hz) im UX-Lab an der FH durch.
Das erste Wimmelbild ließen wir für 10 Sekunden einfach nur abspielen, ohne eine Aufgabenstellung. Dadurch wollten wir beobachten, ob sich bereits erste Objekte gemerkt werden und wie das Bild betrachtet wird.
Für das selbe Bild stellten wir im Anschluss vier Suchaufgaben wie z.B. Finde den Maler.
Die restlichen drei Bilder waren auch mit jeweils vier Suchaufgaben zu lösen und wir baten die Probandinnen um verbale Bestätigung oder lautes Zählen.
Um die Daten besser auswerten zu können, legten wir jedes Wimmelbild als separate Timeline an.
3. Auswertung
Wir haben versucht, das Experiment in einer entspannten Atmosphäre durchzuführen, bei der sich die Probandinnen nicht gehetzt fühlen. Wir haben also von vornherein gesagt, dass es nicht um Zeit geht, und jeder ganz entspannt suchen kann. Es ging uns um die Suchmuster, nicht dieGeschwindigkeit, mit der die Aufgaben gelöst wurden. Trotzdem haben sich die meisten ziemlich beeilt.
Sobald die Probandinnen mit dem Suchen begonnen haben, fingen sie an, große Sprünge durch das Bild zu machen. Viele scannten erst alles grob ab, und nur wenn sie ihr Ziel nicht bei diesem Durchlauf gefunden hatten, gingen sie zu einer detaillierteren Analyse über.
Es gab kaum erkennbare Muster in dieser Suche, die sah von Probandin zu Probandin unterschiedlich aus. Das Einzige, was wir feststellen konnten, war, dass einige Probandinnen eine Tendenz hatten, im Uhrzeigersinn das Bild zu scannen. Ihr Blick wanderte von einem Startpunkt den Bildrand entlang bis er das Ziel gefunden hatte.
Dazu kommt, das die Probandinnen alle in der Lage waren, große, leere Flächen in den Bildern, wie zum Beispiel Häuserdächer, komplett zu überspringen. Sie schauten sie das ganze Experiment lang kein einziges Mal an. Ihre periphere Sicht muss also völlig ausreichend gewesen sein, um die Fläche als unwichtig einzuordnen.
4. Probleme
Das erste Problem ist direkt beim ersten Test des Eyetrackers aufgetreten. Mit dem Windows Laptop, den wir geplant hatten zu verwenden, wollte der Eyetracker partout nicht funktionieren. Nach vielen Versuchen haben wir es schließlich aufgegeben und entschieden, das Experiment an der FH;P durchzuführen und den Laptop im Interfacelabor zu verwenden. Mit diesem hatten wir glücklicherweise keine Probleme mehr.
Da es unsere erste Studie in diesem Bereich war, mussten wir natürlich mit einigen Problemen rechnen. Innerhalb des ersten Durchlaufs konnten wir beispielsweise feststellen, dass einige der Fragen zu kompliziert oder unklar gestellt waren. Mit einer einfachen Umformulierung konnten wir das aber schnell beheben. So wurde beispielsweise die Frage: „Im wievielten Stock befindet sich die Dachterasse?“ zu: „Wieviele Stockwerke hat das Fitnessstudio?“. Die Dachterasse war nicht klar genug von den anderen Dächern zu unterscheiden und unsere Probandinnen waren sich unsicher, ob sie noch als Stockerk zählt. Beim Fitnessstudio war das eindeutiger.
Ein anderes Problem war, dass einige unserer Probandinnen eine Sehschwäche haben, und sich deshalb während dem Test immer wieder nach vorne gelehnt haben um besser sehen zu können. So sind sie ab und zu aus der Reichweite des Eyetrackers gekommen und die Aufnahmen sind etwas gestückelt.
Dieses Problem wurde verstärkt dadurch, dass eines der Bilder die wir gewählt hatten, im Hochformat war. Dadurch waren die Details auf dem Querformatigen Bildschirm nicht immer perfekt zu sehen. Im Nachhinein hätte man sich das natürlich denken können, es war aber trotzdem ein Learning für uns.
5. Fazit und Reflexion
5.1. Fazit des Experimentes
Wir haben festgestellt, dass die Probandinnen das Bild erst grob scannten und dann erst, falls nötig, detaillierter analysierten. Die Probandinnen haben offensichtlich Zeitdruck verspürt, trotz unserer Bemühungen, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen. Beim nächsten Mal wollen wir versuchen, das Setup so zu ändern, dass es sich für die Probandinnen weniger anfühlt wie eine Prüfungssituation, in der Hoffnung, dass wir ihnen dadurch den Zeitdruck nehmen können.
5.2. Reflexion
Insgesamt sind wir zufrieden mit unserem Experiment und froh, dass nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten bei der Durchführung alles funktionierte.
Außerdem war es eine gute Entscheidung, sich für unser erstes Eye-Tracking-Experiment mit Bildern auseinanderzusetzen, da diese eine visuell ansprechende und relativ einfache Möglichkeit bieten, grundlegende Konzepte und Methoden des Eye-Trackings zu erkunden.
Wir hatten viel Spaß in diesem Kurs und freuen uns auf zukünftige Gelegenheiten, weiter mit Eye-Tracking zu experimentieren!