1. EINLEITUNG

Der Kurs Disability Studies and Design setzt seinen Fokus auf die umfassende Betrachtung von Behinderung und Inklusion im Design. In den ersten Phasen des Kurses wurden intensiv die unterschiedlichen Modelle von Behinderung analysiert, darunter das individuelle, das soziale und das kulturelle Modell (Abschnitt 2.1).

Die ursprüngliche Ausrichtung unserer Gruppe galt der Untersuchung von Küchengeräten, insbesondere dem Korkenzieher. Jedoch erfolgte rasch eine Neuausrichtung, bei der wir uns eingehend mit dem Themenkomplex Bildung und konkreten Lehrmaterialien auseinandersetzten, wobei der Fokus auf Augmented Reality und Virtual Reality lag.

In einem ersten Schritt widmeten wir uns als Gruppe einer umfassenden Recherche, um einschlägige Literatur zu den ausgewählten Materialien zu finden. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf bereits vorhandenen Konzepten zur Förderung der Barrierefreiheit in diesem Bereich. Die Ergebnisse dieser Recherche sind im detaillierten Abschnitt 2.2 festgehalten.

Anschließend vertieften wir unsere Betrachtungen, insbesondere im Hinblick auf den Einsatz der Materialien im Kontext des Lernens und der Lehre, beispielsweise im Klassenraum. Hierbei kristallisierten sich Lehrmittel wie Whiteboards, Lehrbücher, Tablets und AR/VR als besonders relevante Themen heraus (Abschnitt 2.4). Eine eingehende Untersuchung darüber, welche Barrieren diese Materialien möglicherweise aufweisen können, führte zur Definition von Standards für den adäquaten Umgang mit diesen Lernmaterialien (Abschnitt 2.5).

Das übergeordnete Ziel des Kurses bestand darin, unter Berücksichtigung der verschiedenen Modelle von Behinderung, innovative Gestaltungskonzepte für die genannten Materialien zu entwickeln. Ziel war es, diese so zu gestalten, dass sie für Menschen mit Behinderungen barrierefrei und zugänglich sind bzw. so umgestaltet werden können, dass sie von allen Menschen, unabhängig von einer Behinderung, gleichermaßen genutzt werden können. Diese wegweisenden Gestaltungskonzepte werden im einfallsreichen Abschnitt 2.6 Entwurf ausführlich vorgestellt.

Abschließend folgen das für die Werkschau erstellte Infoplaket (Abschnitt 3), sowie die Meta-Reflexion in Abschnitt 4 und ein Fazit (Abschnitt 5).

2. DAS PROJEKT

2.1 THEORTEISCHE PERSPEKTIVEN

In der Forschungsarbeit bezieht sich die Gruppe auf die Modelle von Behinderung von Anne Waldschmidt (2005), konkreter auf das soziale und das kulturelle Modell von Behinderung. Anhand dieser beide Modelle werden zu den einzelnen Gestaltungsgegenständen Gestaltungskonzepte entwickelt.

Die Disability-Studies betrachten Behinderung als ein soziales Konzept, das nicht ausschließlich auf individuellen Defiziten basiert, sondern stark von sozialen, kulturellen und politischen Einflüssen geprägt wird.

2.1.1 Soziales Modell

Gemäß Anne Waldschmidt (2005) lautet der Kerngedanke des Sozialen Modells von Behinderung: „Behinderung ist kein Ergebnis medizinischer Pathologie, sondern das Produkt sozialer Organisation.“ Dies bedeutet, dass die Herausforderungen, denen Menschen mit Behinderungen gegenüberstehen, nicht auf ihren individuellen Fähigkeiten beruhen, sondern vor Allem auf Barrieren in ihrer Umgebung und den bereitgestellten Ressourcen. Klassische Lernmaterialien können zahlreiche Barrieren enthalten, die bestimmten Personen den Zugang zu diesen verwehren. Es geht darum, die Umgebung so zu gestalten, dass sie für alle Lernenden zugänglich ist, unabhängig von ihren individuellen Merkmalen oder Beeinträchtigungen. Das soziale Modell betont die Schaffung einer inklusiven Lernumgebung, in der Barrieren aktiv abgebaut werden, um die Teilhabe aller Schülerinnen und Schüler zu fördern.

2.1.2 Kulturelles Modell

Das kulturelle Modell zielt darauf ab, ausgrenzende Systematiken und Prozesse zu dekonstruieren und den Begriff der Norm zu hinterfragen (vgl. Waldschmidt, 2005). Alle Mitglieder einer Gesellschaft sollten als Ausgangspunkt für Lösungsansätze betrachtet werden. Kurz gesagt soll die gesamte Vielfalt einer Gesellschaft in die Kultur integriert werden. Für Lernmaterialien bedeutet dies, dass sie nicht nur auf individuelle Beeinträchtigungen reagieren sollten, sondern auch auf verschiedene kulturelle Hintergründe und Perspektiven. Dies schließt die Anerkennung von unterschiedlichen Lernstilen, Sprachen und kulturellen Kontexten ein. Lehr- und Lernmaterialien sollten so gestaltet sein, dass sie die kulturelle Vielfalt der Lernenden widerspiegeln und respektieren.