Dieses Projekt entsteht im Rahmen des Kurses „Kleiner Anschlag“. Es geht um das Experimentieren, Entwerfen und Gestalten im kleinen Format einer Briefmarke. So erhält jede*r ein Thema zugeteilt, wozu die Person eine bis maximal drei Briefmarken entsprechend gestaltet. Zuerst wird ein Konzept entwickelt, Ideen gesammelt, um anschließend erste Entwürfe zu entwickeln. Ist die Briefmarke umgesetzt, wird diese animiert. Mein Thema lautet „Postcrossing“. Postcrossing ist eine Online-Plattform, über die Menschen auf der gesamten Welt Postkarten miteinander austauschen können. Die Adresse, wohin die Karte geschickt wird, wird nach dem Zufallsprinzip von Mitgliedern der Platform ausgewählt. So werden Menschen unabhängig vom Alter, Herkunft, Religion, etc. miteinander verbunden und können Kontakte knüpfen. Zu beachten ist, dass die Briefmarke den Wert von 95ct haben wird und die Wörter „Deutschland“ sowie „Postcrossing“ mit in den Entwurf integriert werden sollen. Außerdem ist seit kurzer Zeit auf jeder Briefmarke auf der rechten Seite ein Matrixcode abgebildet.
Moodboard
Zu Beginn habe ich Bilder, Plakate etc. gesammelt, die mich ansprachen, um daraus ein Moodboard zu erstellen.
Skizzen/ Entwürfe
Mir wurde relativ schnell klar, dass ich gerne etwas analog gezeichnetes machen möchte und weniger digital zeichnen oder rein typografisch arbeiten.
Entwurf A
Mein erster Entwurf A sollte eine stark vereinfachte, fremde Landschaft/ Welt zeigen.
weitere Ausarbeitung
Inspiration von Tove Jansson „Mumin“:
Weiterentwicklung des Entwurfs
Nachdem ich durch Constanze auf die Illustrationen von Tove Janssons „Mumins“ aufmerksam geworden bin, die ich noch von früher kenne, habe ich mich noch einmal davon inspirieren lassen und zusätzlich mit der Typografie experimentiert und mich ausprobiert.
Entwurf B
Der zweite Entwurf B zeigt Figuren, die allerdings zu detailliert für das Postkartenformat waren. Den Entwurf mit der „Röhre“ habe ich bald verworfen.
Entwurf C
Nach dem Verwerfen von Entwurf B habe ich eine Figur aus diesem Entwurf genommen und neu umgesetzt (Entwurf C). Dieses Mal habe ich mich auf das Profil der Figur konzentriert und sie gezeigt, wie sie einen Brief liest.
Nach etwas Feedback habe ich die Figur noch weiterentwickelt und auch die Typografie angepasst.
Endresultat Briefmarke
Entwurf A: Das Wort „Postcrossing“ steht in der Schrift „Basis Grotesque Pro“. „Deutschland“ und die 95 ist in der Schrift „Tamil Sangam MN“ zu sehen. Die Landschaft ist analog mit schwarzem Buntstift entstanden. Digital habe ich das Raster in Himmel und Boden sowie die Farbe hinzugefügt.
Entwurf C: Die Schrift „Talking Baseball“ habe ich für „Postcrossing“ und die Schrift „Basis Grotesque Pro“ für „Deutschland“ und die 95 verwendet. Die Figur ist analog entstanden mit Wasser vermalbaren Buntstiften. Die Schrift wurde digital hinzugefügt.
Diese Endresultate habe ich anschließend in das Layout für eine Heftseite mit eingebunden. Außerdem habe ich eine Titelseite zu meinem Abschnitt im Heft entworfen. Das Heft soll alle Briefmarken der Kursteilnehmer*Innen gesammelt präsentieren.
Auch die Titelseite entschied ich mich, analog zu machen. Mein Ziel war es, das Thema „Postcrossing“ abstrahiert darzustellen. Ich habe Aquarellfarben und für die Details (schwarze Punkte) einen dünnen Fineliner verwendet. Die Schrift habe ich anschließend digital hinzugefügt.
Die Animation
Zusätzlich zu den Briefmarken soll ein Entwurf auch animiert werden.
Nach der Einführung durch Julia in das Thema, entschied ich mich für eine Cut-Out-Animation von Entwurf A. Allerdings bemerkte ich schnell, dass diese Animation sehr (Zeit-)aufwendig werden würde, wenn ich sie wirklich so umsetzen würde, wie ich es mir vorgestellt hatte. Also wählte ich doch den Entwurf C zur Animation aus und versuchte, die Figur zum Leben zu erwecken und eine kleine Geschichte zu erzählen: Sie liest einen Brief, die Schrift erscheint nach und nach. Plötzlich verschwindet alles Geschriebene wieder und erscheint in einer anderen Sprache. Am Ende steht auf dem Brief „Postcrossing“, um noch einmal das Thema aufzuzeigen.
Ursprünglich sollte in dem gedruckten Heft, in dem unsere Entwürfe gezeigt werden, ein QR-Code zu sehen sein, der zu der Animation führt. Das war leider aus organisatorischen Gründen nicht möglich. Also habe ich überlegt, welchen Weg man noch gehen kann, über die gedruckte Seite im Heft auf die Animation zu kommen.
So bin ich auf Artivive gekommen. Das ist eine App, die man kostenlos herunterladen kann. Damit brauch man nur die Briefmarke, wie sie im Heft gedruckt ist, mit der Kamera zu „scannen“ und schon wird einem auf dem Handy die Animation gezeigt. Da ich zum Zeitpunkt der Erstellung der Dokumentation das Heft noch nicht hatte, „scanne“ ich im Beispielvideo die Briefmarke vom Computerdisplay, um das Prinzip zu zeigen.
Sobald ich das Heft habe, werde ich ausprobieren, ob die App das Bild auch in Briefmarkengröße erkennt und das Video abspielt.
Reflexion
Anfangs fiel es mir schwer, meine Entwürfe so reduziert bzw. „vereinfacht“ zu gestalten, dass es in dieser kleinen Größe nicht zu überladen aussieht. Mit dem Feedback von Constanze und im weiteren Prozess ist es mir allerdings immer besser gelungen, mich auf das wesentliche zu beschränken. Herausfordernd war auch die Typografie. Nicht nur die richtige Schrift zu finden, was in vielen Fällen ein sehr langer Prozess sein kann, sondern auch die Mikrotypografie. Für mich im ersten Semester war es neu, sich so genau mit den einzelnen Buchstaben, Abständen,… auseinanderzusetzen. Dabei konnte ich ein erstes Gefühl für Mikrotypografie entwickeln und experimentieren.
Letztendlich bin ich mit meinen Entwürfen zufrieden und finde den Weg, den sie bis zum Endergebnis durchlaufen sind, spannend. Das Animieren hat mir auch viel Spaß gemacht, ich fand es toll, die Figur noch einmal zum Leben erwecken zu können.
Fazit
Der Kurs hat gezeigt, wie herausfordernd es sein kann, auf so einer kleinen Größe zu gestalten.
Am Kurs gefallen hat mir auch der Prozess, den wir durchlaufen sind. Es hat angefangen mit der Bekanntgabe des Themas, mit dem wir uns anschließend belesen haben. Danach kam das Moodboard, woraufhin wir die ersten Skizzen erstellt haben. Mir hat auch der Wechsel aus Arbeit an den Entwürfen und direkten Feedback-Gesprächen über Zoom sehr gut geholfen, obwohl diese durch den Blockunterricht nicht so häufig und viele sehr konzentriert zu Anfang und gegen Ende (Januar) des Kurses stattfanden.
Ich habe das Gefühl, jetzt erst richtig erkennen zu können, wieviel Arbeit in so einer Briefmarke steckt. Durch den Kurs hat sich, denke ich, mein Verständnis und die Wertschätzung einer Briefmarke noch einmal geändert. Als Kind habe ich eine Zeit lang Briefmarken gesammelt und dadurch oft darauf geachtet wie sie aussehen. Das ist über die Jahre verloren gegangen, aber dieser Kurs hat dieses Bewusstsein wieder erweckt und mir zusätzlich noch einen größeren Einblick in den Entstehungsprozess gegeben.